«Mehr Blut!»

Von wegen Understatement! Lange hat Janet Baker ungern Interviews gegeben. Doch in der Londoner Wigmore Hall, wo wir sie kurz vor ihrem 80. Geburtstag trafen, gibt sie sich gar nicht scheu, sondern selbstironisch, nobel und sehr direkt. Ein Gespräch über den «Rosenkavalier», nordenglische Wurzeln, das Glück des Liedgesangs, fiese Dirigenten und frühe Ausflüge in die Barockoper

Opernwelt - Logo

Dame Janet, Sie besaßen eine fantastische Schallplattenstimme. Ist die Vermutung erlaubt, dass Ihre Stimme auch deswegen so gut aufzuzeichnen war, weil sie nicht die größte war?
Ja, das ist absolut richtig. Was eine gute Aufnahmestimme ausmacht, ist vor allem ein guter Fokus. Die Stimme braucht Klarheit. Und Technik. Ich glaube schon, dass sich jede Sängerin eine größere Stimme wünscht. Ich auch. Aber ich fühlte mich trotzdem auf der Bühne sehr wohl. Auch wenn sich mein ­Repertoire immer wieder in eine Richtung bewegte.

Lieder etwa hätten mir nicht so sehr gelegen, wenn die Stimme größer gewesen wäre. Und Lieder sind schließlich das beste Mittel, um eine Stimme zu verfeinern.

Haben Sie manchmal von ganz anderen Rollen geträumt, sagen wir: Tosca?

Dazu war ich zu realistisch. Man muss halt mit dem Equipment auskommen, das einem gegeben ist.

Eine Rolle wie Octavian haben Sie nie an Covent Garden gesungen. War das Haus zu groß?
Das nicht, obwohl es stimmt, dass ich Octavian nur an der Scottish Opera in Glasgow gemacht habe. An Covent Garden habe ich dafür Didon in «Les Troyens» gesungen. Auch kein kleines Orchester! Außerdem Britten und ­Mozart.

Ein Jammer, dass Sie Didon nicht auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Interview, Seite 34
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Es geht auch anders

Die trauen sich was. Das Anhaltische Theater Dessau, das Jules Massenets ausstattungsintensiven Beitrag zur Pariser Weltausstellung 1889 «Esclarmonde» mit vier Chören ehrenvoll zur deutschen Erstaufführung bringt, verdient Besseres als die nächste Etatkürzung 2014. Der jüngste Sparbeschluss der Landesregierung Sachsen-Anhalt trieb Intendant André Bücker zornig vor...

Wiener Wagner-Theater aus den Sechzigern

Das Wagner-Jahr scheint große und kleinere Plattenfirmen in einen wahren Rausch des Recycelns früherer Publikationen versetzt zu haben, und der Sammler muss aufpassen, dass er nicht in neuem Design eine Aufnahme erwirbt, die er längst besitzt. Zwei Aufführungen, vor einem halben Jahrhundert in der Wiener Staatsoper mitgeschnitten, können allerdings als Novitäten...

Alter Schwede

Solche Entdeckungen müssen auf allerhöchstem Niveau präsentiert werden», sagt Alexandre Dratwicki, «sonst wird das Potenzial der Stücke nicht sichtbar.» Als Künstlerischer Leiter der Stiftung «Palazzetto Bru Zane» organisiert Dratwicki seit 2009 ein weltweit einmaliges Revitalisierungsprogramm für die französische Musik der Romantik. Also hat er keinen Geringeren...