Zeitgeschichten
Einszweidrei, im Sauseschritt ... Mehr als ein halbes Jahrhundert ist Theodor W. Adornos berühmtes Verdikt (aus der «Einleitung in die Musiksoziologie») jetzt alt, Oper hätte «nach Stil, Substanz und Haltung [...] nichts mehr mit denen zu tun, an die sie appelliert». Avancierte Komponisten in Europa hatten sich in diesem Sinne damals radikal von erzählenden Werken ab- und artifiziellen Formen zugewandt. Ihre Kollegen im angelsächsischen Kulturraum hingegen halten Handlungs- wie Literaturoper nach wie vor die Treue.
Mit unterschiedlicher Wirksamkeit, was auch die hier diskutierten CDs neue(re)r englischer und amerikanischer Musiktheaterwerke belegen.
Wobei manche, um nochmals Adorno zu zitieren, durchaus den «Standort des Geräuschkulissen erstellenden Komponistenregisseurs» einnehmen, der sich an «literarisch bereits arrivierte Sujets» anhänge. Wie etwa Philip Glass mit der Veroperung von Kafkas «Der Prozess» (Libretto: Christopher Hampton), uraufgeführt 2014 vom Music Theatre Wales im Linbury Theatre an Covent Garden. Die Handlung ist bekannt: Josef K., 30, findet sich eines Morgens in einem Strudel seltsamer Ereignisse; es geht um vermeintliche, nie bezeichnete Schuld. Die Story ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Montag ist ein schwieriger Tag. Mit dem Montag verbindet man etwas Anstrengendes oder Nichtgelungenes. Ein Montags-Auto zum Beispiel ist eines, das nicht richtig funktioniert und deswegen ständig in die Werkstatt muss. Oder es ist, nach neuesten Erkenntnissen, einfach ein Dieselfahrzeug. Aber um Stinkdiesel soll es hier nicht gehen. Und eigentlich auch nicht um...
Mit seiner ersten Oper «Benvenuto Cellini», die 1838 an der Pariser Opéra herauskam, hatte Hector Berlioz wenig Glück. Dramaturgische Schwächen und musikalische Längen standen einem Publikumserfolg im Wege. Auch spätere Überarbeitungen (etwa für Franz Liszt in Weimar) hatten nicht die gewünschte Wirkung. Erst in den 1960er-Jahren, als Nicolai Gedda den wie für...
Medea. Allein der Name provoziert, irritiert, spaltet den, der ihn in den Mund nimmt. Ruft Entzücken wie Entsetzen hervor, lässt das Herz beben, die Seele erzittern. Medea. Ein Hall von Assoziationen begleitet sie auf ihrem Weg, folgt der Eumeniden Erfüllerin, auf ihrer Spur: der Spur des Todes. Denken wir an Medea, schiebt sich unweigerlich eine Frage ins Feld...
