König Alkohol
Schon mit seiner ersten Opernregie, Glucks «Orpheus und Eurydike» im Januar 2006, gelang dem gebürtigen Magdeburger Andreas Kriegenburg ebendort ein Coup. Er verlegte das Liebesdrama in eine Zwischenwelt aus Mythos und Moderne, zeigte Figuren von heute, die dennoch etwas Überzeitliches hatten und ihr Schicksal gleich mehrfach erleben mussten.
Auch das Personal von Mozarts «Idomeneo» kämpft bei Kriegenburg auf mehreren Ebenen mit sich – und mit den Göttern. Diese bleiben zwar unsichtbar, entfalten ihren (dämonischen) Einfluss jedoch sehr konkret.
Denn fast alle Protagonisten des heute nur schwer vermittelbaren Opferstücks sind dem Alkohol verfallen. Die durch radikale Nichtbeachtung zunehmend verzweifeltere Elettra spricht dabei besonders den hochprozentigen Geistern aus der eleganten Hausbar zu. Die Bar passt gut zum kalten Interieur des großen Salons mit seiner minimalistisch weißen Sitzgarnitur und einem Breitwandfernseher, auf dem ein Schwarz-Weiß-Streifen – atmosphärisch irgendwo zwischen Ingmar Bergman und den Coen Brüdern – vorüberflimmert. Das kühle Mobiliar wirkt wie die Außenseite dieser Figuren: Autistisch herumsitzend oder manisch vor sich flüsternd, gelingen ihnen nur ...
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