Passion ohne Hoffnung

Zimmermanns «Soldaten» in München: Kirill Petrenko und sein Team entdecken ein neues Stück

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Der Komponist Manfred Gurlitt (1890-1972) vertonte fast gleichzeitig mit Alban Berg den «Woyzeck» von Büchner, der damals noch Wozzeck hieß. Das gelang ihm vorzüglich, weil er sich eng an die Vorlage hielt. Später vertonte er auch die «Soldaten» von Lenz. Das misslang aus dem gleichen Grund: Er hielt sich zu eng an die Vorlage. «Die Soldaten» – das ist die bitterböse Komödie vom Aufstieg und Fall eines Bürgermädels, böser und bitterer als ­alles, was der Komödienvirtuose Friedrich Dürrenmatt später geschrieben hat.

Eine bitterböse und trotzdem komödienbeschwingte Musik aber ist in der Oper schwer herzustellen. Ein Satz in ­einer Symphonie von Schostakowitsch, eine Nummer in Mozarts «Cosí fan tutte», das geht. Aber ­einen ganzen Abend lang?

Der Komponist Bernd Alois Zimmermann, der fast zwanzig Jahre nach Gurlitt geboren wurde, sich aber 1970 das Leben nahm, hat die «Soldaten» nicht vertont. Er überfrachtete sie, riss sie als Para­bel an sich, lud Marie und ihrem Weg in die Gosse das ganze Leid der Welt und die ganze Last seines «totalen Theaters» auf. Dabei setzte er auf alte wie neue Formen, auf Chaconne und monströse Toncluster, Bach und Jazz, Koloratur und das, was er ...

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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Stephan Mösch

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