Der Materie verfallen
Wenn er über Musik sprach, leuchteten die Augen. Seine und die seines Gegenübers. Karl-Dietrich Gräwe war der «Materie» gleichsam verfallen, und es gab nur wenige Experten, die das Phänomen Musik mit so großer Emphase und leidenschaftlicher wie sinnfälliger Begeisterung in Worte zu fassen vermochten wie er. 1937 in Bielefeld geboren, promovierte der studierte Musikwissenschaftler an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität über Strauss’ und Hofmannsthals «Ariadne von Naxos». Danach ging er dorthin, wo man «Typen» wie ihn dringend benötigte: ans Theater.
Während seiner Tätigkeit als Dramaturg an der Hamburgischen Staatsoper begegnete Gräwe dem Regisseur Götz Friedrich. Beide verschafften, nachdem Friedrich als Nachfolger von Siegfried Palm Intendant der Deutschen Oper Berlin geworden war und Gräwe als Chefdramaturgen verpflichtet hatte, dem Haus an der Bismarckstraße aufgrund einer ebenso klugen wie mutigen Programmatik in den 1970er- und 80er-Jahren einen glänzenden Ruf, der sich nicht zuletzt ihrem Einsatz für das moderne Musiktheater verdankte. Nach seiner Zeit an der Deutschen Oper blieb Gräwe, der neben seiner Tätigkeit am Theater auch überaus geistreiche Libretti verfasste ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Jürgen Otten
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats Dezember 2019. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
Weder Oper noch Oratorium. Nicht für die Bühne noch für sakrale Räume gedacht, sondern als «Dichtung» für den Konzertsaal. Robert Schumann stellte sich für das 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführte Werk «heitere Menschen» vor. «Das Paradies und die Peri»: eine unvergleichliche Komposition, inspiriert durch das erstmals 1817 erschienene Epos «Lalla Rookh»...
Einer der herrlichsten Einstiege des Theaters findet sich in George Taboris schwarzhumorigen «Goldberg-Variationen». Auf einer schwarzen Leinwand erscheint in weißer Leuchtschrift der Satz «Gott ist tot. (Nietzsche)». Kurz darauf erlischt die Schrift. Pause, Dunkel. Dann erneut ein Satz, diesmal unterzeichnet vom Ausgelöschten höchstselbst: «Nietzsche ist tot.»...
