Ohne Ende
Mit großem Interesse habe ich im Programmheft zu dieser «Antigona» gelesen, dass nicht Gluck, sondern Tommaso Traetta der eigentliche Reformator der italienischen Barockoper war, und dass ohne seine Pionierleistung Mozart nie einen «Idomeneo» hätte schreiben können. Die Bekanntschaft mit dem Werk selbst hat mich dann allerdings etwas ratlos zurückgelassen, denn je weiter die Oper fortschreitet, desto mehr scheint sie der Barock-Konvention zu huldigen, bis hin zum aufgepappt wirkenden, damals obligatorischen «lieto fine».
Im letzten Akt reiht sich eine schöne Musiknummer an die andere, aber die Handlung tritt auf der Stelle. Antigona und Emone zelebrieren wie hundert Jahre später Aida und Radames einen Liebestod in der Gruft und werden dann zum Finale wieder aus der Versenkung gefahren. An die Tragödie des Sophokles darf man bei dem ausufernden Libretto Marco Coltellinis keinen Augenblick denken.
Es war der Wunsch von René Jacobs, mit diesem Werk, das Traetta 1772 für den Petersburger Hof komponierte, seine 20. Berliner Premiere zu feiern und zugleich die beliebten Barocktage zu Reformtagen umzufunktionieren. Jacobs setzte sich, wie zu erwarten, mit musikantischer Leidenschaft für ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Ekkehard Pluta
Das Wort von der «Globalisierung» ist irreführend, selbst dort, wo es darum geht, die Realität der Oper im Jahre 2011 zu beschreiben. Denn beim weltweiten Siegeszug dieser originär europäischen Gattung ist gerade nicht ein Ineinandergreifen oder gar eine Verschmelzung unterschiedlicher kultureller Traditionen zu beobachten, sondern der Export einer spezifisch...
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...
Eigentlich hätte John Adams’ erfolgreicher Opernerstling schon längst einen festen Platz im Repertoire der Metropolitan Opera verdient – «Nixon in China» wurde 1987 in Houston uraufgeführt. Nun konnte der Komponist, dessen «Doctor Atomic» 2008 an der Met herauskam, in diesem Haus sein Debüt als Dirigent feiern, schon sein bloßes
Erscheinen entfesselte einen...
