Was nicht gelebt werden darf
«... wird aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblühn». Immer wieder stammelt er die Worte, windet sich, als wolle er sie abschütteln, spuckt sie aus, keucht, zuckt. Ein Trauma. Ein Vorspann. Noch bevor die Ouvertüre einsetzt, sehen wir Tannhäuser einsam im Lichtkegel. Rom liegt hinter ihm, den Bannfluch des Papstes aber wird er nicht mehr los. Was folgt, ist eine Rückblende. Eva-Maria Höckmayr erzählt Wagners beliebteste, heikelste Oper aus der Retrospektive. Dabei zieht sie die Pole eng zusammen.
Was im Venusberg passiert, ist all das, was man in der grauschwarz-neutralen Wartburggesellschaft nicht denken, aussprechen oder gar ausleben darf. Der Venusberg bleibt folglich Phantasmagorie: Gläubige geißeln sich stöhnend in Lustschmerz, eine junge Frau wird ans Kreuz gebunden, eine Madonna zeigt Brüste, gierige Männerhände zucken, Videos und Bühnenaktion wirbeln durcheinander. Venus – in Rot, was sonst – steigt aus einem Beichtstuhl. Elisabeth – in Weiß, was sonst – ist dagegen eine reale Figur. Sie lebt – und leidet an weltfremden Weltweisen, die eine liebesferne Minne besingen und dabei Geist und Gier trennen. Doch trägt nicht Landgraf Hermann anfangs einen roten Anzug? ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Stephan Mösch
Es war eine anmutige, traditionelle «Werther»-Deutung, die der französische Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber 1971 an der Met für seine spätere Frau Christa Ludwig und für Franco Corelli in der Titelpartie in Szene gesetzt hatte. Richard Eyres Neuinszenierung von Massenets Vierakter könnte man neokonservativ nennen: Visuell angereichert mit Naturmotiven...
Jubilare
Die Altistin Hertha Töpper erhielt zunächst Geigen- und Gesangsunterricht, bevor sie nach einem Gesangsstudium am Landeskonservatorium ihrer Heimatstadt Graz 1945 als Ulrica im «Maskenball» an der Grazer Oper debütierte. Für die ersten Bayreuther Festspiele nach dem Krieg wurde sie 1951 u. a. als Siegrune und Floßhilde engagiert. 1952 trat Hertha Töpper...
Der Sensible
Nach seinem ersten «Tannhäuser» in Riga, mit fünf, weinte er drei Tage lang. Mit 24 wurde er Chefdirigent der Lettischen Nationaloper, mit 29 des Birmingham Symphony Orchestra. Jetzt, mit 35, ist er Chef der Boston Symphony. Wie macht Andris Nelsons das?
Der Widerspenstige
Der Wert seiner Werke ist durchaus anerkannt. Und tatkräftige Bemühungen, Giacomo...
