Generation Onegin
Jahrzehntelang bekamen Regisseure, die schöpferisch mit klassischen Werken umgehen, zu hören, sie sollten doch lieber neue Stücke schreiben. Genau das ist jetzt beim dritten «Infektion!»-Festival der Berliner Staatsoper geschehen. Seine beiden repräsentativen Uraufführungen sind Opern über Opern. Claus Guth und Helmut Oehring haben im Schiller Theater Henry Purcells Semi-Opera «The Fairy Queen» von 1691 «überschrieben».
Falk Richter nimmt an der Schaubühne Szenen aus «Eugen Onegin» zum Ausgangspunkt einer Stückentwicklung im Stil seiner interdisziplinären Projekte «Protect Me», «Trust und Rausch». Ist das der Weg des Neuen Musiktheaters, das sich das Festival programmatisch vorgenommen hat?
Tschaikowskys Original hatte Richter 2008 unter Seiji Ozawa in Tokio inszeniert. «For the Disconnected Child» befreit sich vom Ballast der Vorlage und bringt nur auf die Bühne, was Richters Meinung nach den aktuellen Stückgehalt ausmacht: die Geschichte eines Jedermanns, der in der neoliberalen Welt unendlicher Angebote von dem «Zwang der Freiheit», sich auf eine Option festzulegen, überfordert wird. Und die ebenso exemplarische Geschichte einer zurückgewiesenen Jederfrau, die von demselben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Rezension in Theater heute
Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Boris Kehrmann
Erfolgreiche Wiederbelebungen barocker Opern haben in Glyndebourne Tradition: zunächst mit Werken von Cavalli und Monteverdi in den 1960er- und 1970er-Jahren, ab Mitte der Neunzigerjahre dann mit Händel- und zuletzt mit Purcell-Opern. Auch in diesem Jahr setzte die Festival-Leitung diese programmatische Linie fort und wartete zum ersten Mal mit einer Oper von...
Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue. Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres...
Erst neulich glückte der Kölner Oper mit Puccinis «Il trittico» ein riskanter Besetzungs-Coup: Die drei Einakter wurden von drei Regisseurinnen inszeniert, was gründlich hätte scheitern können. Doch verklammert durch Dieter Richters geniales Einheitsbühnenbild ging die Rechnung auf, und drei ausgeprägte Regiehandschriften rundeten sich zu einem prallen...
