Frankfurt: Böse Soap
Das Bild vom Kreator der «Reformoper» war lange musikgeschichtlich so verfestigt, dass der «andere» Gluck ganz in Vergessenheit geriet. Dass mit dem (1750 in Prag uraufgeführten) «Ezio» nun ein früheres Gluck-Stück wiederentdeckt wurde, liegt wohl ebenso an der gewachsenen Geltung der Barockoper wie an der postmodern erweiterten Bewertung des Komponisten. Und die Neugier auf diesen typisch vom Zeitstil des frühen 18. Jahrhunderts bestimmten Gluck ist nur zu berechtigt. Auch mit dem vielfach vertonten Libretto von Pietro Metastasio steht er präsentabel da.
Vier Männer und zwei Frauen werden so ausführlich (dreieinviertel Stunden) gegeneinander ins Feld geführt, bis alle erdenklichen Konstellationen und Spannungsmomente ausgeschöpft erscheinen. Dabei wird säuberlich das Tabu beachtet, dass der Herrscherfigur kein Haar gekrümmt werden darf. Zu Tode geht hier keiner – obwohl es sozusagen alle bei allen (außer, sie wären unglücklich Liebende) darauf anlegen.
Die alchemistische Kunst, funkelnd bösartige Soap Operas zu konzipieren, beherrschte man also lange vor Hollywood. Und mit seinen virtuos auf (künstlichen) Gefühlsklaviaturen spielenden höfischen Scharaden ist Metastasio wohl auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Hans-Klaus Jungheinrich
arte
1.1. – 5.00 Uhr
7.1. – 5.10 Uhr
Naganos Kinderlieder.
Japanische Kinderlieder aus dem 19. Jahrhundert, neu arrangiert von Kent Nagano und Jean-Pascal Beintus.
1.1. – 18.05 Uhr
Neujahrskonzert 2014
aus dem Teatro La Fenice in Venedig. Orchester und Chor des Teatro La Fenice, Diego
Matheuz. Solisten: Lawrence Brownlee, Carmen Giannattasio.
3./9.1. – 5.00 Uhr
Ein Ball...
Seit der Uraufführung in Bremen 1999 ist Detlev Glanerts Kammeroper über den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer, dem Financier des württembergischen Dandy-Herzogs Karl Alexander, mehrfach nachgespielt worden. Zuletzt war das im frühen 18. Jahrhundert angesiedelte, virtuos mit Mustern und Formen der Barockmusik jonglierende Stück in Trier (siehe OW 7/2010) sowie...
Minderwertigkeitskomplexe hat er nicht: Als der Kongress seinen Vorschlägen zustimmt, dankt er «im Namen der Menschheit». Seinen Mitarbeitern gegenüber gibt er sich als toleranter Chef. Doch seine Anordnungen setzt er mit brutaler Härte durch, Zuwiderhandelnden drohen drakonische Strafen.
Wer ist es? Obama? Nein, denn Frauen kommen bei ihm für Führungsaufgaben...
