Halbe Sache
Donizetti polarisiert: Außer wenigen eingeschworenen aficionados kennt kaum jemand mehr als dessen vier oder fünf «Longseller». Was soll man auch von einem Vielschreiber erwarten, der bisweilen an vier Opernpartituren gleichzeitig arbeitete? (Freilich wird die Frage, was man von einem Komponisten halten soll, der manchmal mehr als fünf Lieder an einem Tag schrieb, beim ebenfalls 1797 geborenen Schubert nie gestellt.
)
Dabei gelang Donizetti vor allem in seinen letzten Lebensjahren Herausragendes – nicht nur im komischen Genre mit «La Fille du régiment» und «Don Pasquale», sondern vor allem im tragischen. Außer «Maria di Rohan» ist vor allem «Dom Sébastien», die letzte Pariser Oper, zu nennen: Die 2007 erschienene Referenzaufnahme unter Mark Elder brachte ein Meisterwerk zum Vorschein.
Auch die neueste Initiative von «Opera Rara» ist ein Meilenstein: die allererste Studioproduktion der 1838 begonnenen, aber nicht zu Ende komponierten Oper «Le Duc d’Albe». Und zwar in der französischen Originalsprache, denn nur so kommt Donizettis Experimentieren mit prägnanten Rhythmen und hoch dramatischer Deklamation zur Geltung – eine offensichtliche Parallele zu Verdis «Vêpres siciliennes», denen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Anselm Gerhard
Als Händel im Winter 1741 nach Dublin reiste, hatte er neben dem soeben vollendeten «Messias» auch die Partitur seiner vorletzten, 1740 durchgefallenen Oper «Imeneo» im Gepäck. Dass das auf einem älteren Libretto von Silvio Stampiglia beruhende Stück angesichts des gewandelten Geschmacks des Londoner Theaterpublikums nur zweimal aufgeführt wurde, verwundert bei der...
Und so werden sie sich in der kommenden Saison alle ums wärmende Feuer der Vergangenheit versammeln. Oder ist es doch mehr eine Séance? Wenn, dann werden jedenfalls aus sehr unterschiedlichen Gründen Geister beschworen. In Lyon, wo mit Klaus Michael Grübers «Poppea», Heiner Müllers «Tristan» und der «Elektra» von Ruth Berghaus Legendäres wiederauferstehen soll....
Auch in der Ära Konrad Adenauers und Charles de Gaulles, als die deutsch-französische Aussöhnung auf der Tagesordnung ganz oben stand, wurden die künstlerischen Leistungen des Nachbarlandes, jedenfalls soweit es die Gesangskunst betraf, östlich des Rheins kaum wahrgenommen. Das hat sich inzwischen geändert. Auch dank des Institut National de l’Audiovisuel (INA),...
