Ekaterina Scherbachenko in Lyon; Foto: Theater/Bertrand Stofleth
Schuld (und Sühne)
Der Tag des Zorns, er ist auch der Tag der Tränen. Und der berührenden Momente. Während sie gemeinsam mit dem Chor das b-Moll-triste «Lacrimosa» anstimmt, kommt die Sopranistin Ekaterina Scherbachenko wie ein Schatten aus dem Hintergrund nach vorne, Blumen des Todes in den Händen, und tritt an einen schlichten Holzsarg. Begleitet durch sehnsuchtsreiche Einwürfe von Flöte, Oboe, Klarinette und Englischhorn, verharrt sie dort eine Weile in schier unermesslichem Leid.
Das nicht geringer wird, wenn die Musik nach fis-Moll moduliert und ein Mann (der Tenor Paul Groves) hinzutritt, erst in stummer Verzweiflung, dann mit den Worten des Dichters Wilfried Owen: «Move him, move him into the sun.»
Ein Requiem als Musiktheater? Es gibt hinreichend Beispiele für die These, dass eine Verdoppelung durch szenische Aktion unnötig ist, und ebensoviele Beispiele für die These, dass gerade eine (hoffentlich beglaubigte) Handlung dem tönenden Gedenken eine wichtige Note hinzufügen könne. Yoshi Oidas Inszenierung von Benjamin Brittens «War Requiem», das dieser 1962 anlässlich der Wiedereröffnung der von nationalsozialistischen Bomben zernichteten St. Michaels Kathedrale von Coventry komponierte («in ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jürgen Otten
Bei Titeln wie «Lieder im Volkston» mag man sich an ein Wort – oder: eine Warnung – von Bertolt Brecht erinnern: «Das Volk ist nicht tümlich.» Sollte Brecht das Volk ... überschätzt haben? Unter dem Titel «Im Volkston» veröffentlichte der Berliner Verlag Anfang des vorigen Jahrhunderts drei Sammlungen von «komponierten Volksliedern» – eigentlich eine contradictio...
Musik eines 16-Jährigen, man fasst es ja immer wieder nicht. Und zu hören ist nicht nur, wie der Wunderknabe für seinen zweiten Mailänder Auftritt die Konventionen der Seria zwar nicht sprengte, aber wohl ausreizen, übertreffen, ja umrunden wollte. Deshalb schrieb er noch wahnsinnigere Rouladen, ausgreifendere Läufe, wildere Volten und steilere Sprünge in das...
Auch nach der Rückkehr der Berliner Lindenoper ins Stammhaus bleibt die Programmschiene der Schillertheater-Werkstatt mit neuesten Kammeropern erhalten. Die «Neue Werkstatt» befindet sich im Intendanzgebäude und ersetzt den Charlottenburger Hinterhofcharme durch modernisierten Klassizismus: strenge Säulen einerseits, variables Raumkonzept andererseits.
Eröffnet...
