Editorial
Vielreisende in Sachen Oper kennen das: Manches von dem, was ihnen auf der Bühne begegnet (zumindest in den zum Kanon gezählten Werken des Musiktheaters), erscheint in Momenten oder gar ganzen Szenen wie etwas, das schon mal da war – so oder ähnlich. Ein leises Raunen und Flüstern ist dann zu bemerken, eine unterschwellig entrüstete Unruhe – wir wollen es der Einfachheit halber das Déjà-vu-Geräusch nennen. Nun liegt laut Søren Kierkegaard gerade in der Wiederholung eines Ereignisses, eines Gedankens, eines Gefühls oder eines Bildes das wahre Vergnügen für den Menschen.
Denn im Gegensatz zur Erinnerung, die verblasst, verblassen muss, ermöglicht die Wiederholung die Erfahrung der Essenz.
Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Causa Wiesbaden (siehe Seite 27), wo – ohne dass man das gerichtsfest beweisen könnte – die «Salome»-Inszenierung des Intendanten Manfred Beilharz erstaunliche Parallelen mit einer 2005 von Carlos Wagner in Montpellier betreuten Produktion desselben Stücks aufweist, so steht der Verdacht des Plagiats im Raum – und damit der Vorwurf, Beilharz habe wissentlich fremdes geistiges Eigentum als sein eigenes ausgegeben. Doch wo genau verläuft die Grenze zwischen ...
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Für John Caird, den Regisseur der neuen «Aida» an der Welsh National Opera (WNO) in Cardiff, spielt die Geschichte vor allem in Radames’ Oberstübchen. Quelle seiner Leidenschaft, so Cairds These, seien die Fantasien eines Mannes in mittleren Jahren. Folglich sitzt Dennis O’Neill gleich zu Beginn im Scheinwerferlicht. Jacke und Hose deuten auf die Zeit um 1870. An...
Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rheintöchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer...
Die Geduld zahlte sich nicht aus: Achtundzwanzig Jahre hat man in Braunschweig auf diese «Lohengrin»-Neuinszenierung gewartet, doch zumindest szenisch blieb das Ergebnis unter dem üblichen Niveau des Staatstheaters.
Auf der Bühne sehen wir eine riesige Holzskulptur, halb Schwanenskelett, halb Trojanisches Pferd, die so gar nichts von Wagners silbrig-mystischer...
