Was heißt hier Provinz?
Ein grauer Morgen in Quedlinburg, es nieselt, die Temperaturen werden nicht über fünf Grad steigen, der Himmel liegt so tief, dass die Wolken am Turm der Stiftskirche hängen zu bleiben drohen. Mon Dieu, wie soll man so einen deprimierenden Sonntag nur durchstehen? Gehen wir doch einfach in die Oper! Um 15 Uhr wird Daniel François Esprit Aubers «Fra Diavolo» gegeben.Das ist der Zauber des deutschen Stadttheater-Systems.
In welchem Land der Welt gibt es das noch – eine 25 000-Einwohner-Gemeinde, die ihr eigenes Mehrspartenhaus hat, ein lokales Zentrum der Live-Kultur, ganzjährig bespielt, mit festem Solistenensemble, mit eigenem Chor und Orchester? Der Ruf der deutschen Kulturnation wird jenseits der Metropolen verteidigt, an Orten wie Quedlinburg und Halberstadt, den beiden Stammhäusern des Nordharzer Städtebundtheaters. Oder in Hildesheim, wo das Theater für Niedersachsen zu Hause ist.
«Wer heute, im Zeitalter von Breitbandinternet, ICEs und dem dichtesten Autobahnnetz der Welt noch ‹Provinz› sagt, denkt in Kategorien des 19. Jahrhunderts», schrieb der Karlsruher Intendant Peter Spuhler kürzlich in «Theater heute». «Provinz spielt sich inzwischen im Kopf ab, findet sich nicht in ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Frederik Hanssen
Bis auf «Platée», das beliebte Ballet bouffon, tauchen Rameaus Werke nach wie vor selten in den Spielplänen auf. Diskografisch steht seine Sache aber gar nicht schlecht – eine Nachwirkung des 250. Todestags 2014. Drei Neuerscheinungen der letzten Monate verdienen Beachtung.
In «Castor et Pollux» (gespielt wird die prologlose Version von 1754) lassen Raphaël Pichon...
Was ist denn das für eine Attentäterin? Anstatt das zu tun, wozu sie gekommen ist, nämlich den Diktator umzulegen, lässt sie sich von ihm betören – und wirft sich schließlich sogar in die Schusslinie, als die Gattin des Despoten das vollenden will, was sie nicht konnte. Ernst Krenek hat den nur 30 Minuten langen Einakter «Der Diktator», dessen Handlung seltsam...
Wolfram Koch stakst donquichotesk einher. Er führt seine allenthalben klappernde, raschelnde und knirschende Rüstung spazieren. Stapft und torkelt, stolpert und kriecht – ein krachblecherner König Artus, der England wider die eingefallenen Sachsen verteidigt und deren König Oswald obendrein die schöne, blinde Emmeline wieder abspenstig macht. Aber sie liebt ja...
