Heillose Welt, Schöne Nacht

Leoncavallo: Der Bajazzo Mascagni: Cavalleria rusticana Heidenheim / Burg Hellenstein

Opernwelt - Logo

Bei den Opernfestspielen in Heidenheim hat man in der diesjährigen Jubiläumssaison zum 50-jährigen Bestehen des Festivals auf die sattsam erprobte Zwangsvermählung zweier musikdramatischer ­Eifersuchtsdramen aus Italien gesetzt, Ruggero Leoncavallos Einakter «Der Bajazzo» mit Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana». Aber auf ungewöhnliche Weise miteinander verbunden. Und siehe da: In den romantischen Ruinen der Burg Hellenstein geht die Idee sogar unter Open-Air-Bedingungen auf.

Kehrt man, wie es die Regisseurin Petra Luisa Meyer hier wagte, die sonst übliche Reihenfolge der Stücke um, dann muss der Mann, der im «Bajazzo» den Liebhaber seiner Frau erdolchte, dafür bei «Cavalleria rusticana» mit dem Leben büßen. Zwingend führt das nun zweite Stück die im ersten schon vorgeführte Grenzsprengung zwischen Kunst und Wirklichkeit fort, und durch die ungewohnte Art der Verschränkung hört man das Unvermittelte, Schroffe zumal in Leoncavallos Musik hier allerdings ganz neu.

Dafür sorgt auch Marcus Bosch. Der Nürnberger Generalmusikdirektor, seit 2010 auch Künstlerischer Leiter des Festivals, hat nicht nur dessen Auslastung auf 98 Prozent gesteigert, die finanziellen Grundlagen verbessert und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Susanne Benda

Weitere Beiträge
Liebeswahn, geerdet

Sie sind Meister des psychologischen Realismus. Das haben Jossi Wieler und Sergio Morabito mit vielen Arbeiten bewiesen, zuletzt mit der Uraufführung von Mark Andres spirituellem Musiktheater «wunderzaichen» (siehe OW 4/2014). So überrascht es nicht, dass sie auch ein anderes fast handlungsloses, scheinbar der Realität enthobenes Weltentsagungswerk wie «Tristan und...

Wärme und Wahrheit

Hinströmendes Leben voller Wärme und Wahrheit» – mit diesen Worten hat Gustav Rudolf Sellner, der langjährige Intendant der Deutschen Oper Berlin, die künstlerische Ausstrahlung der spanischen Sopranistin Pilar Lorengar charakterisiert, die dort 1958 in Orffs «Carmina burana» debütierte und bis zu ihrem Abschied von der Bühne als Tosca 1991 Mitglied dieses Hauses...

Der Wanderer

Sein Name wird immer mit dem «Jahrhundert-Ring» von Patrice Chéreau und Pierre Boulez verbunden bleiben: Hier schwang er sich 1976 als Wotan und Wanderer zum führenden Heldenbariton seiner Generation auf, wobei seine schauspielerische Gestaltung des Göttervaters der vokalen ebenbürtig war. Ein Sänger, dem man auch in den oft als lang empfundenen Dialogen mit Fricka...