Zeitmaschine
In Gottes Namen? Ständig schleicht einer an diesem Abend chez Gluck im Theater an der Wien über die Bühne, in schwarzem Outfit und Priesterkollar wie ein perfider Militärpfaffe, lauernd, mit bösem Lächeln, eingeschlossen in den Bleirahmen höflicher Gefährlichkeit. Stets trägt er Handschuhe – um keine Spuren zu hinterlassen? Denn es obliegen ihm die notwendigen Handreichungen zu den anbefohlenen Opfermorden, an Iphigenie auf Aulis und an Orest und Pylades auf Tauris.
Er drängt den Exekutoren die Mörderwaffen auf, Messer, Pistolen; in Torsten Fischers Inszenierung der beiden Iphigenien scheint er Vertreter einer fragwürdigen geistlichen Obrigkeit, eines Gottesprinzips, das eifersüchtig und brutal auf Abwicklung des Anbefohlenen besteht.
Dem Theater freilich ist aufgegeben, Gegenentwürfe zu erstellen – und dies tat bereits Gluck selbst in der tauridischen Iphigenie. Denn die Titelheldin (in Wien verkörpert von der grandiosen Véronique Gens, die sich diese Figur über die Jahre perfekt anverwandelt hat), ihr Bruder Orest und dessen Freund Pylades (die ebenso überzeugenden Stéphane Degout und Rainer Trost) ringen sich mit übermenschlicher Anstrengung dazu durch, der göttlichen Willkür ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Gerhard Persché
Meyerbeer und die Grand opéra – in der Musikwissenschaft sind das inzwischen vielbeachtete und -bearbeitete Themen. Die Initialzündung gab 1991 ein Symposium in Thurnau. Seither vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht mindestens eine Konferenz irgendwo auf der Welt speziell den Komponisten oder sein Genre in den Fokus nimmt. Zum 150. Todestag des Berliners taten das...
Jubilare
Sie wurde 1934 in der bulgarischen Schwarzmeerstadt Bourgas geboren. Als Kind begleitete sie sich selbst auf dem Akkordeon, Gesang studierte sie in Sofia. Ihr professionelles Debüt als Opernsängerin gab Raina Kabaivanska mit 24 Jahren als Giorgetta in Puccinis «Il tabarro» am Theater von Vercelli in Norditalien. Schon zwei Jahre darauf stand sie an der...
Die erstaunlichste Erkenntnis beim Braunschweiger «Propheten» (wieder einmal): Die großen Opern Giacomo Meyerbeers sind zu machen, auch an Stadttheatern. Die Chorszenen packen unmittelbar. Die Partitur ist reich an Ohrwürmern. Nach 90 Minuten, sprich: nach dem dritten Akt, geht das in der zweiten Vorstellung nicht übermäßig zahlreiche Publikum den Triumphmarsch...
