Bauchschuss, gnädige Frau!
Die Oper Köln hat zur neuen «Arabella» ein Filmchen ins Netz gestellt, in dem das kanadische Produktionsteam Barbe & Doucet (so der Firmenname) seine Absichten mit der Lyrischen Komödie von Hofmannsthal und Strauss kundtut ‒ das heißt: Eigentlich redet nur Renaud Doucet, der Regisseur, während sein Ausstatter André Barbe konsequent schweigt.
Auf der Bühne kommt es dann genau umgekehrt.
Während Doucet die Darsteller in bescheidener Zurückhaltung meist von links nach rechts, gern aber auch direkt an die Rampe führt, ruft uns Barbes Bühnenbild fortwährend «Bedeutung!» zu: mit einem überdimensionalen, abgestürzten Lüster, der wie eine Zimmerlinde aus Böhmisch Kristall stoisch in der Ecke verharrt; mit einer abgehobenen Palais-Fassade, in die ein zerfledderter Kaiseradler hineingebrannt ist; und da gibt es auch noch diese undurchdringliche Eiswand. Wir verstehen: Hofmannsthals Welt ist ein Kühlschrank der Gefühle und Werte, in dem Arabella ‒ stolz und schön, aber auch überreif wie die Donaumonarchie ‒ unbedingt eine gute Partie machen muss, um die Familienfinanzen zu sanieren.
Emma Bell singt die schwierige Titelpartie vielleicht eine Spur zu dramatisch, aber mit Noblesse und einigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Michael Struck-Schloen
Frau Palmer, Sie sind ja, wenn man das laut sagen darf, vor einiger Zeit 70 Jahre alt geworden – und singen immer noch!?
Ja, vielleicht liegt das daran, dass ich irgendwie etwas nachholen muss. Ich bin, wie ich leider sagen muss, viele Jahre lang fehlgeleitet worden. Wie so viele Sänger. Man denkt immer, die Lehrer wissen alles. Und irgendwann realisiert man, dass...
Wenn es auf dem Nachtkästchen schrillt, haben ja die meisten Probleme. Wälzen sich auf die andere Seite, betteln innerlich um eine weitere Minute, erreichen nur mühsam die Schwelle vom Traum zur Morgenrealität: Wie es wohl erst ist, wenn nicht sieben Stunden Ruhe hinter einem liegen, sondern vielleicht sieben Jahre? Und es dann nicht klingelt, sondern «der Wecker...
Der Ort, den sich die Birmingham Opera Company für ihr diesjähriges Großprojekt ausgesucht hat, liegt in einer rauen Gegend. Man kann bloß hoffen, dass Autoklauer bei diesem Wetter lieber zu Hause bleiben: Regen trommelt Wirbel auf Dixi-Klodächer. Die großen Zelte, die als Backstage-Bereich dienen, versinken langsam im Schlamm. Generatoren rumoren.
Innen posiert die...
