Lach- und Schiessmusik
Nutzer des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs erinnern sich vielleicht noch an Werbetafeln der Textilfirma H&M, welche die Wartenden zu Beginn der Neunzigerjahre erfreute. Da räkelte sich im schwarzen 10-Mark-BH ein superblondes, super-üppiges Model, halb Marilyn Monroe, halb Anita Ekberg. Die kurvigen Reize der Anna Nicole Smith – so hieß das aufgespritzte Kunstwesen – waren schlicht, aber wirksam. Mit ihnen avancierte sie schnell zum Playmate und Werbeträger, vor allem aber zum Medienstar, der Glanz und Elend des amerikanischen Traums verkörperte.
Sie stammte aus sozial schwierigen Verhältnissen, konnte sich aber durch eine beachtliche Brustvergrößerung selbst optimieren, angelte sich einen Ölmilliardär und avancierte zur Party- und Talkshow-Queen der USA. Als der Ehemann starb, ging es abwärts. Ein Erbschaftsstreit entbrannte, Smith nahm Tabletten, wurde von ihrem Anwalt und Liebhaber Howard Stern gnadenlos vermarktet und musste den Drogentod ihres geliebten Sohnes erleben. Als sie 2007 auf den Bahamas mit erst 39 Jahren an ihrer Medikamentensucht starb, schrieb die «New York Times»: «Sie war dafür berühmt, berühmt zu sein» – ein bissiges Kompliment mit Gespür für den Kern des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Michael Struck-Schloen
Nachdem Guy Cassiers kürzlich im Berliner Staatsopern-«Ring» einen Bewegungschor einsetzte, tut die englische Choreografin Rosamund Gilmore in Leipzig nun beim «Rheingold» das Gleiche. «Mythische Elemente» nennt sie zwölf Damen und Herren in elastischen Ganzkörperkostümen, wie man sie aus Avantgarde-Balletten der 50er- bis 70er-Jahre kennt. Zur Weltentstehungsmusik...
Er war eine Instanz. Die Instanz. An ihm kam kein Impresario, kein Komponist vorbei, der im 18. Jahrhundert auf Ruhm und Reichtum spekulierte. Poeta Cesareo der Habsburger, Staatsdichter Karls VI. und Maria Theresias. Wenn das höfische Musiktheater einen «Weltstar» hinter den Kulissen hatte, so war es der Römer Antonio Trapassi. Unter dem Namen Pietro Metastasio...
Humor, Witz, Spaß – mit dem Komischen tut sich die Musikavantgarde meist schwer. Lacher sind nur erlaubt, wenn sie im Halse stecken bleiben. Wenn sie schwarz klingen, schwer, verquer. Dada war gestern. Der heilige Ernst strukturellen Denkens, so scheint es, schluckt allzu oft die Lust auf intelligenten Schabernack. Experiment und heiterer Esprit, Komplexität und...
