Mitleid muss man haben
Der Mensch ist zum Unglücklichsein verdammt in seinem Streben nach Glück. Er sucht nach Wahrheit und findet: nichts. Er sehnt sich nach Erfüllung und landet im: Nichts. Finster ist die Handlung von Ingvar Lidholms Oper «Ein Traumspiel», noch finsterer als seine literarische Vorlage, August Strindbergs gleichnamiges Drama.
Doch er hat eine Botschaft, dieser Premierenabend im Deutschen Nationaltheater Weimar. Die wird klar ausgesprochen (manchmal fast zu klar): Mitleid muss man dem Menschen entgegenbringen.
Das zumindest ist das Fazit, das Agnes, die Tochter des Gottes Indra, aus ihrem Versuch zieht, das menschliche Elend in einem Selbstversuch als irdisches Wesen zu ergründen.
In eine gleichermaßen merkwürdige und bemerkenswerte Form goss Lidholm das Konversationsdrama – die episodenhafte Handlung wirkt über weite Strecken verworren, die musikalische Ideenwelt weitgehend im Avantgardedenken der 70er-Jahre verwurzelt. Das weckt manche Penderecki-Assoziation, hat aber doch etwas Eigenes: einen schlichten, fast volkstümlichen Zug.
Nun brechen in Weimar Regisseur und Bühnenbildner Christian Sedelmayer und Kostümbildnerin Caroline von Voss die düstere Aussage mit einer comic-haften ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Tatjana Böhme-Mehner
Er war eine Instanz. Die Instanz. An ihm kam kein Impresario, kein Komponist vorbei, der im 18. Jahrhundert auf Ruhm und Reichtum spekulierte. Poeta Cesareo der Habsburger, Staatsdichter Karls VI. und Maria Theresias. Wenn das höfische Musiktheater einen «Weltstar» hinter den Kulissen hatte, so war es der Römer Antonio Trapassi. Unter dem Namen Pietro Metastasio...
Humor, Witz, Spaß – mit dem Komischen tut sich die Musikavantgarde meist schwer. Lacher sind nur erlaubt, wenn sie im Halse stecken bleiben. Wenn sie schwarz klingen, schwer, verquer. Dada war gestern. Der heilige Ernst strukturellen Denkens, so scheint es, schluckt allzu oft die Lust auf intelligenten Schabernack. Experiment und heiterer Esprit, Komplexität und...
Die in Israel geborene Chen Reiss gehört zu den aufsteigenden Sopranistinnen im lyrischen Fach. Sie bringt alle Qualitäten mit, die man braucht, um ein Darling des Betriebs zu werden: eine silbrige Sopranstimme und das, was man heute als «glamorous looks» bezeichnet. Ihr viertes Recital (im Zeitraum von drei Jahren) ist, wie heute offenbar obligatorisch, ein...
