Feuerwerk der Posen
Liegt es am Rummel um Raubkunst, Fälschungen und andere Skandale, dass vertrackte Opernhandlungen derzeit gern ins Kunstmilieu oder gleich ins Museum verlegt werden? Der Trick bietet sich ja an: Glamour, Verbrechen und Mordspreise liegen hier nahe beieinander. Dass die Metapher trotzdem langweilen kann, bewies kürzlich Alvis Hermanis in Salzburg mit seinem steifbeinigen Rampentheater-«Trovatore». Ungleich ertragreicher und witziger ist nun Damiano Michielettos furiose Deutung von Rossinis «Il viaggio a Reims».
Er lässt Rossinis spät wiederentdecktes dramma giocoso in einem sich ständig verändernden Einheitsraum spielen, der eine Mischung aus Galerie, Museum und Auktionshaus ist.
Die Krönungsoper zu Ehren König Karls X. von Frankreich spielt im Hotel zur «Goldenen Lilie», in dem die mehr oder weniger hochwohlgeborenen Gäste auf dem Weg zu den Krönungsfeierlichkeiten aufgrund logistischer Probleme unfreiwillig festsitzen. Die internationale Gesellschaft feiert schließlich ohne König eine eigene Party, die Rossini für eine rasante Abfolge von Bravournummern nutzt.
Die Revuemechanik lässt sich trefflich und sogar mit Gewinn in die Kunstwelt verlagern, und Michielettos Regie zieht alle ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Regine Müller
Im Uraufführungsjahr von «Pelléas et Mélisande», 1902, schien die Welt alles Geheimnisvolle zu verlieren. Der Film fixierte Bewegungen, Röntgenstrahlen durchleuchteten den Körper, die Psychoanalyse das Unbewusste. Doch es gab auch den anderen Blick. Maurice Maeterlinck, Debussys Librettist, setzte dem Glauben an die Wissenschaft und dem naturalistischen Abbild eine...
Vor sechs Jahren sang Philippe Jaroussky auf dem Album «Opium» erstmals französische Lieder der Belle Époque (siehe OW 5/2009). Im Sinne einer Mentalitätsgeschichte der Klänge ließe sich auch rechtfertigen, dass ein Countertenor dieses Repertoire pflegt, gerade jetzt, da Jaroussky zwei neue CDs mit Liedern nach Paul Verlaine aufgenommen hat. Als 1869 durch die...
Kaum ein Monat vergeht, ohne dass uns das in Venedig ansässige Centre de Musique Romantique Française mit neuen Funden überrascht. Die jüngsten Opernausgrabungen aus dem Palazzetto Bru Zane: «La Caravane du Caire» von André-Ernest-Modeste Grétry (1741-1813), «Renaud» von Antonio Sacchini (1730-1786) und «Les Bayadères» von Charles-Simon Catel (1773-1830). Die Werke...
