Ideale Balance
Der bemerkenswerteste Versuch, Monteverdis «Poppea» den Händen von Barockspezialisten zu entwinden und dem musiktheatralischen Mainstream zuzuführen, war 1976 in Paris zu verfolgen, als Gwyneth Jones die Titelpartie sang, Jon Vickers den Nerone gab und Christa Ludwig als Ottavia, Richard Stilwell als Ottone sowie Nikolai Ghiaurov als Seneca auf der Bühne standen. Die neue Produktion der Houston Grand Opera knüpft nun ziemlich genau dort an, wo man in Paris aufgehört hat.
Zwar ist William Burden, der Houstoner Nerone, kein Heldentenor vom Schlage Vickers, doch hat er sich in einem breiten Repertoire bewährt. Seine Stimme zeichnet die fein ziselierten Linien der frühbarocken Musik mit flüssigem Nachdruck. Houston setzt also auf einen Tenor, wo Puristen einen Sopran erwarten würden. Auch Ottone begegnet uns hier nicht als (musikgeschichtlich korrekter) Altus, sondern als Bariton: Nathan Gunn gestaltet die Partie, als beschwöre er die so elegante wie eloquente Tongebung Stilwells – mit lyrischer Intensität und expressivem Ausdruck.
Susan Graham porträtiert Poppea in all ihrer faszinierenden Sinnlichkeit und Launenhaftigkeit – mit luxurierender Stimme, nahtlos zwischen Parlando und ...
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