Bayreuther Arbeitsrausch

Eberhard Friedrich arbeitet seit 20 Jahren mit dem Festspielchor. Er spricht über Klang und Szene, die Tücken der Wagner-Chöre und die Arbeitsatmosphäre in Bayreuth.

Opernwelt - Logo

Herr Friedrich, in Deutschland gibt es vor allem zwei Komponisten, mit denen man als Chor-Dirigent bekannt werden kann: Bach und Wagner. Richtig?
Das hängt bei Wagner natürlich vor allem mit der exponierten Bedeutung von Bayreuth zusammen. Und damit, dass die Chöre bei Wagner und Bach eine echte Aussagefunktion haben. Man hat seinen Spaß daran.
 
War der Wagner-Akzent in Ihrem Leben geplant?
Nein, planen tut man so etwas nicht. Als ich 1986 Chordirektor in Koblenz wurde, wurde dort nichts von Wagner gemacht.

Früher gab es einmal einen «Lohengrin» ... größere Stücke selten. Das änderte sich auch in den fünf Jahren nicht wesentlich, die ich in Koblenz blieb. In Wiesbaden dagegen, wohin ich 1991 wechselte, waren die «Meistersinger» gleich meine Antrittsproduktion.
 
Seit dem Jahr 2000 betreuen Sie den Festspielchor in Bayreuth. Wie kam es dazu?
Wolfgang Wagner rief mich an und fragte, ob ich das machen möchte. Damals hatte Norbert Balatsch gerade angekündigt, dass er aufhört. Er hatte das Angebot, die Wiener Sängerknaben zu übernehmen. Da er in Wien lebte und den Bayreuther Festspielchor lange Jahre geleitet hatte, war es für ihn ein verlockendes Angebot. Ich meinerseits hatte gespürt, dass ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Interview, Seite 36
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Manierlicher Sündenpfuhl

Tannhäuser ist genervt. Unruhig tigert er durch den Salon der Dame Venus. Weder sie noch die tanzenden (schein-) nackten Damen und Herren, die eben noch im Bilderrahmen hinten auf der Bühne der Straßburger Opéra national du Rhin in Starrheit verharrten, können ihn auf andere Gedanken bringen: Er will da weg. Der Raum, in dem er sich immer unwohler fühlt, ist nichts...

Zu Wagner nichts Neues

Während es ringsherum neue «Parsifal»-Produktionen hagelt, hält die einst als «Bayreuth am Rhein» geltende Rheinoper sich im Wagner-Jahr eher zurück. Lediglich einen neuen «Tannhäuser» bringt sie im Mai heraus. Als eigentlichen Beitrag zum Jubiläumsjahr versteht das Haus die bei Helmut Oehring in Auftrag gegebene Uraufführung «SehnsuchtMEER oder Vom fliegenden...

Recht und Gerechtigkeit

«Selbst wenn der Mund sich schließt, bleibt die Frage offen», schrieb Stanislaw Jerzy Lec. Welche Frage? Etwa jene, die Pontius Pilatus bei Johannes (18,38) stellt: «Was ist Wahrheit?» Joseph Ratzinger, Papa Emeritus, spitzte sie im zweiten Band seiner Untersuchungen über Jesus von Nazareth zu: «Kann Politik Wahrheit als Kategorie für ihre Struktur annehmen? Oder...