Die Hölle, sie ist immer schon da

Tatjana Gürbaca schaut mit ihrem Antwerpener «Holländer» in die schwarze Seele des Menschen. Cornelius Meister dirigiert grandios

Opernwelt - Logo

Am Ende bleibt der übrig, den man sonst gern übersieht: In Tatjana Gürbacas furioser Antwerpener Neudeutung des «Holländer»-Stoffes rappelt sich nach dem irrwitzigen finalen Höllentrubel im zuckenden Stroboskop-Licht nur Erik wieder auf, um stolpernd und schwankend dem Schlachtfeld zu entkommen, auf das alle anderen wie entseelt niedergesunken sind.

Gelingt ausgerechnet ihm der Neuanfang nach dem Desaster, findet er den Ausweg aus der Hölle? Ist er der einzige Überlebende des Weltuntergangs?

Gürbacas zweite «Holländer»-Inszenierung lässt diese letzten Fragen bewusst im Raum stehen. In den gut 180 atemlosen Minuten zuvor gelingt es ihr, eine Logik der Apokalypse zu erzeugen, wie man sie zwingender selten sah. Dieser Sog reißt alle mit: den sich großbürgerlich gerierenden Kleinbürger Daland ebenso wie dessen heruntergekommene, geldgeile Meute samt ihrer berechnenden Frauen; ja selbst die schwärmerische, totverliebte Senta. Erik aber, der für gewöhnlich eher langweilt mit seinem Gegreine nach Senta und stillem Eheglück, findet heraus aus dem Dilemma. Triumph des wohltemperierten, einigermaßen charakterfesten Bürgers? Möglich. Auf jeden Fall irritierend.

Bei ihrem ersten «Holländer» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Oberaufseher

Stéphane Lissner führt an der Pariser Opéra den Titel eines «directeur délégué», eines «beigeordneten Direktors». Joan Matabosch in Madrid darf sich «director artístico», «künstlerischer Direktor» nennen. Kasper Holten am Covent Garden firmiert schlicht und einfach als «director of opera». Lediglich im deutschen Sprachraum gibt es den Intendanten, in...

Apokalypse light?

Vor genau 50 Jahren erschienen zwei Interpretationen von Mozarts «Don Giovanni», die manche Vernetzungen zutage förderten: Otto Klemperers Londoner Schallplatten-Gesamtaufnahme (EMI/Warner) und Walter Felsensteins Inszenierung zur Wiedereröffnung der Komischen Oper – an der beide 1949 mit «Carmen» einen neuen Begriff von «Musik-Theater» lanciert hatten....

Im Zeichen des Dollars

An der Metropolitan Opera werden Programmhefte nicht verkauft, sondern mit vollen Händen ausgeteilt. Für die Werkeinführung müssen ein paar Absätze genügen, ansonsten: Werbung, Sponsorenlisten. In den USA, wo die Subventionen nicht der Rede wert sind, müssen Opernhäuser um jeden Dollar kämpfen. Selbst dieser Pilgerort der Afficionados, an dem Simon Rattles...