Tanz in den Abgrund
Wer einen der populärsten Zeitromane der Weltliteratur vertont, hat einen Riesenvorteil: Jeder kennt den Stoff. Gerade bei zeitgenössischer Musik senkt das manche Schwelle. Mit dem Vorteil kommt aber auch ein Riesenproblem. Es bringt nämlich auch jeder eine ganz persönliche Vorstellung davon mit, welche Gestalt das Ganze annehmen sollte – und ist dann enttäuscht von der konkreten Umsetzung.
Das macht sich auch an der Semperoper bemerkbar, die jetzt als erstes europäisches Haus John Harbisons «The Great Gatsby» herausgebracht hat, einen 1999 für die New Yorker Met entstandenen Zweiakter (siehe OW 2/2000). Im ungewöhnlich jungen Publikum glänzt Mode im Zwanzigerjahre-Stil, schillern Wasserwellen: Fitzgerald-Fans und Mitglieder der Swing-Szene geben sich vor Beginn erwartungsfroh – in der Pause aber schon weniger beschwingt. «Mit dem Roman kann das nicht mithalten», hört man sie raunen.
Als der Komponist sich an die Arbeit machte, wollte er aus Furcht vor ebensolchen Reaktionen gewisse Schlüsselstellen einfach unter den Tisch fallen lassen. Das redete man ihm aus: Auf geflügelte Worte wie «Her voice is full of money» warten die Leute eben! Harbison rang sich dazu durch, den Satz zu ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff
Erst 1999, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung, fand Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» den Weg auf eine deutsche Bühne. Katja Czellniks Kieler Inszenierung (siehe OW 12/1999) galt als durchaus exemplarisch. Diesen Rang dürfte ihr die von Andreas Kriegenburg verantwortete Bremer Produktion des Werks nun streitig machen. Denn sie hat, was...
Herr Trumpet, ich wusste gar nicht, dass Sie sich für Oper interessieren.
Ich bitte Sie, nicht so förmlich! Für Sie einfach Donald oder Don. Doch, doch, ich bin ein Riesen-Opernfan. Da muss ich gleich an Andrea Bocelli denken: So ein lieber Mensch, schaut gut aus – und diese grandiose Stimme! Auf meiner fünften Hochzeit hat er gesungen, damals in der...
In der Kürze liegt die Würze, meint das Sprichwort. Die Engländer sagen’s ebenso prägnant, schließlich ist Shakespeare der Urheber der Wendung: «Brevity is the soul of wit», weiß Polonius in «Hamlet». Händel muss das Prinzip gekannt haben, als er seine Oper «Partenope» schrieb, die 1729 im King’s Theatre, Haymarket, uraufgeführt wurde: An Stelle von langwierigen,...
