Siegfrieds Tod - per SMS
Am Flaucher, südlich der Innenstadt, dort, wo das Isarbett tagsüber von Sonnenmilchduft und abends von Grillschwaden verwabert wird, da gehört so etwas dazu. Auch im Englischen Garten, am Eisbach, muss nahtlose Bräune sein. Doch München nackert, sanktioniert von allerehrwürdigster Kulturinstanz, das ist neu. Was für ein schräger Festspiel-Auftakt, medial gefeiert und tagelang Stadtgespräch: Die Bayerische Staatsoper holte Spencer Tunick, jenen US-Amerikaner, der bekannt ist für seine textilfreien Massenfotos.
Nachts um drei trafen sich auf sein Geheiß 1700 Freiwillige, ließen sich rot und golden bepinseln und zogen vor die Feldherrnhalle. Kurze Zeit danach wurde der bronzene Max Joseph vor dem Nationaltheater eingekreist – Tunicks Kommentar zum aktuellen «Ring», demnächst als Bilderserie zwischen Freikörperkult und Voyeurismus zu haben.
Immerhin: Ein solches Interesse auch außerhalb der Opernfankreise hat der «Ring» selten entfacht. Intendant Nikolaus Bachler hat eine dicke Veranstaltungsreihe rund um sein Wagner-Projekt organisiert. Zwar wurde der «Pavillon 21» hinter dem Nationaltheater, einst als Werkstatt-Ort zu den Festspielen gepriesen, kommentarlos entsorgt. Dafür gab’s ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Markus Thiel
«Der Rosenkavalier» – eine Commedia dell’Arte? Man verdrängt angesichts des Wienerischen in Hofmannsthals und Strauss‘ «Komödie für Musik» oft allzu schnell, dass es in der Tat vor allem Molière’sche Motive sind, die die Keimzellen dieses Meisterwerks ausmachen. Und dass natürlich die Figurenkonstellation bewusste Anleihen an die Typenkomödie enthält – freilich von...
Domenico Barbaja muss einen guten Riecher gehabt haben, als er den noch unbedeutenden Neuling Vincenzo Bellini, dessen Anfängerarbeiten nur wenig überragendes Talent erkennen ließen, für eine Premiere an der Mailänder Scala unter Vertrag nahm. Dort erlebte dessen dritte Oper «Il pirata» am 27. Oktober 1827 eine triumphale Premiere, der sich 13 Wiederholungen...
In der Wüste bekommt man schnell ein Gefühl dafür, was wichtig und was unwichtig ist. Meinungsvielfalt und Streitlust schmelzen unter der erbarmungslosen Sonne hinweg, die Wüste zwingt zu klaren Entscheidungen. Nicht ohne Grund ist hier der Monotheismus entstanden, der nur einen Gott zulässt. Die Wüste fördert Konzentration und Klarheit des Geistes. So gesehen ein...
