Anatomie der Diktatur
Orchesterwerke von Detlev Glanert sind im Vereinigten Königreich bereits mehrfach in hochkarätigen Konzerten zur Aufführung gelangt. Sieht man einmal von einer 2007 im Rahmen eines Workshops präsentierten Deutung seines Kammeropern-Triptychons «Drei Wasserspiele» im Londoner Almeida Theatre ab, so ist die erste Glanert-Oper, die nun den Weg auf eine britische Bühne fand, der 2006 in Frankfurt uraufgeführte «Caligula», der jetzt in einer Neuproduktion von Benedict Andrews an der English National Opera Premiere hatte.
Das Werk, das auf Albert Camus’ Theaterstück um einen der grausamsten und verrufensten Römischen Kaiser beruht, hinterließ einen rundum positiven Eindruck. Hans-Ulrich Treichels Libretto verleiht Glanerts abwechslungsreicher und vielschichtiger Partitur mit ihrer technisch ausgeklügelten, subtilen Orchestrierung und Harmonik eine konzise, nachhaltig wirkende Struktur. Das musikalische Idiom ist von einer Sprache geprägt, die im Spannungsfeld von Spätromantik und früher Moderne steht: Nicht selten klingen Bezüge zu Richard Strauss’ «Elektra» und insbesondere «Salome» an, gelegentlich reichen sie sogar bis zum musikalischen Zitat. Gleichzeitig lassen sich Bezüge zu Werken ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 53
von George Hall
In einem Brief an den Philosophen Rudolf Pannwitz beklagte Hugo von Hofmannsthal, in der «Ariadne»-Oper habe Richard Strauss «das Zarte vergröbert, das Geistige überhört, das Geistreiche herabgezogen». Bei seiner Hamburger Inszenierung von «Ariadne auf Naxos» war es nicht das erste Ziel des Regisseurs Christian Stückl, den Primat des Geistreichen wiederherzustellen...
Es ist alter Väter Sitte: Auf das Vorspiel folgt in «Ariadne auf Naxos» die Oper. Im Festspielsommer 2012 macht sich Salzburg darum verdient, die Urfassung der Oper mit vorangestelltem Schauspiel «Der Bürger als Edelmann» neu zu befragen – doch schon ein paar Monate zuvor hat das Theater Heidelberg die altbekannte Allianz Vorspiel/Oper rotzfrech aus den Angeln...
Das berüchtigte Buch über den angeblichen «Kulturinfarkt» war noch längst nicht auf dem Markt, als das Motto der dritten Kunstfestspiele Herrenhausen geradezu visionär mit der Formel «Fragiles Gleichgewicht» festgelegt wurde. Zu dieser programmatisch definierten Zerbrechlichkeit scheint zu passen, dass auch die diesjährige documenta mit dem Motto «Zusammenbruch und...
