Du bist nicht allein
Schaut man die Spielpläne der nächsten Saison durch, überkommt einen in Sachen Wagner und Verdi das große Gähnen. Nur wenige Häuser haben sich Originelles ausgedacht zu den Geburtstagen dieser zwei so unterschiedlichen Operntitanen des 19. Jahrhunderts, die sich zum 200. Mal jähren. In Leipzig beleuchtet man die drei Frühwerke Wagners neu, in Dresden konzentriert man sich auf den Dresdner Wagner und seine Zeitgenossen. Noch weniger kreativ war man in Sachen Verdi.
Kein Theater, das sich explizit mit dem Risorgimento-Verdi, dem antiklerikalen oder dem Galeerenjahren-Verdi, dem Schiller-, Shakespeare-, Hugo- oder Byron-Verdi beschäftigte. Ganz zu schweigen von der Hoffnung, dass etwa die drei Berliner Opernhäuser mit vereinten Kräften alle 28 Opern präsentieren würden. Was hätte das für ein Fest mit internationalem Zulauf werden können!
Immerhin hat am Theater Basel Christoph Marthaler jüngst eine für ihn typische Verdi-Collage namens «Lo stimulatore cardiaco» herausgebracht. Von ganz anderem Kaliber ist freilich, wozu Gerard Mortier in Madrid, beide Jubilare zusammenspannend, Alain Platel angeregt hat. Und nicht nur Wagner- und Verdi-Gedenktage, auch der arabische Revolutionsfrühling ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Manuel Brug
Die Metropolitan Opera hat sich bisher als recht glücklos erwiesen, wenn die Titelpartie von Massenets «Manon» zu besetzen war. Neuinszenierungen des Werks – etwa 1963 mit Anna Moffo oder 1987 mit Catherine Malfitano – fielen durch. Einige Aufführungen konnten zwar mit erfolgreicheren Titelheldinnen aufwarten – Mary Costa, Diana Soviero und Renée Fleming –, den...
Kein Wald, «schattig und ernst, doch nicht düster». Das «Gebiet des Grals», so wie es sich auf der Bühne der Opéra de Lyon darstellt, hat eher was von einer Ödnis. Der Boden, ausgedörrt und durchfurcht, lässt nicht mal andeutungsweise jene «Lichtung» erahnen, von der bei Richard Wagner die Rede ist. Wie ein Lavastrom teilt ein Rinnsal, mal klar, mal blutig, die...
In seiner vorletzten, 1897 in Prag uraufgeführten Oper «Sárka» greift Zdenek Fibich (1850-1900) zu einem Stoff aus der tschechischen Legende, den schon Smetana in seinem sinfonischen Zyklus «Mein Vaterland» gestaltet hatte. Nach dem Tod der sagenhaften Reichsgründerin Libussa übernehmen die Männer unter Führung von Premyslaus die Macht. Als sich die um Vlasta und...
