Tauziehen
Knopf drücken, auf Grün warten und rüber zur Freitreppe. So einfach lässt sich derzeit das Augsburger Theater besuchen, ganz unbehelligt von Bauzäunen oder Baggern. Der Vorplatz ist frisch herausgeputzt. Doch was drinnen wartet, verfolgt die Verantwortlichen bis in Leserbriefspalten, Stadtratsdebatten und unruhige Träume. 235 Millionen Euro soll die Sanierung eines Gebäudes kosten, das Ensemble und Verwaltung unter den Füßen wegschimmelt. Von diesem Schock hat man sich am Lech nicht erholt, mehr noch: Es ist inzwischen gehörig Gegenwind aufgekommen.
Während also Vertreter der Stadt mit dem Münchner Finanzministerium darüber verhandeln, ob der Freistaat seinen Renovierungszuschuss von 45 Prozent erhöht, haben mehr als 50 Kulturschaffende, Politiker und Architekten in einem offenen Brief Alarm geschlagen: Abgesehen von der Frage, ob man nicht andernorts neu bauen könne, müsse man sich über die «künftige Ausrichtung» des Theaters unterhalten. Überhaupt solle die Bevölkerung einbezogen werden, ein Argument, das an Debatten à la «Stuttgart 21» erinnert: Ein dumpfes Wir-haben-von-allem-doch-nichts-gewusst-Gefühl regt sich – obwohl Fakten und Pläne seit Langem auf dem Tisch liegen.
Ausgerec ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Markus Thiel
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Vielleicht lässt sich das Problem mit Nietzsche verstehen. Damit ein Ereignis Größe habe, müsse zweierlei zusammenkommen, schrieb der Philosoph in seinem viel zitierten Aufsatz «Richard Wagner in Bayreuth»: «der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben». Damit die Größe des Ereignisses auch erkennbar bleibt, braucht es freilich...
