Volle Herzen
Und dann ist da plötzlich dieses irre Bild. Eine Hochhausfront, hässlich und glatt, die Fassade mausgrau, wie ungewaschene Wäsche; davor ein von Maschendrahtzaun gesäumter Menschenkäfig zur Rechten sowie ein versiffter Treppenaufgang zur Linken. Mittendrin die Protagonisten der Vergeblichkeit, die – eine optische Täuschung macht’ s möglich – größer scheinen als sie sind in der Puppenstube namens Problemkiez, in den Ausstatter Christopher Melching das geschichts- und geschichtenreiche Quartier Latin auf der Bühne des Stralsunder Theaters verwandelt hat.
Erst in der dritten Szene von Puccinis vermeintlichem Schmachtfetzen «La Bohéme» findet Horst Kupich hinaus aus dem Kitschbecken, in dem zuvor seine Arbeit für das Theater Vorpommern relativ ziellos herumwaberte. Jetzt kommt das Stück zu sich und wird evident, dass es sich um eine eher triste Sozialstudie handelt, der nichts von jener schwärmerischen Verklärung anhaftet, die so gerne mit dem Begriff der Bohème in eins gesetzt wird – Realität ist eben etwas doch anderes als die Vorstellung von ihr; war es 1830, 1896 und auch zu jener wildwuchernden Zeit, als in Paris nicht nur die eine (politische) Rebellion versucht wurde, sondern ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jürgen Otten
Herr Hasselhorn, mussten Sie bei der Aufnahme Ihrer «Dichterlieben» manchmal aufpassen, in welcher Vertonung Sie sich gerade befinden?
Man muss sich als Sänger bewusst machen, dass zwei verschiedene Vertonungen desselben Textes in ganz verschiedene Ausdrucksbereiche vorstoßen können. Zum Beispiel fordern dieselben Wörter manchmal andere Färbungen. Aber auch der...
«Nicht mal ein Rapper aus der Bronx ist so zeitgenössisch wie Verdi», sagt Davide Livermore. Ein steiler, ein plakativer Vergleich, der am gesunden Urteilsvermögen des italienischen Regisseurs zweifeln ließe, wüsste man nicht, dass er sein Metier beherrscht. Das Konzept seiner aktuellen High-Tech-Inszenierung von Verdis neunter Oper «Attila» lässt an ein aus dem...
Ganz schnell kann so etwas gehen, innerhalb einer Woche. Einmal «La Bohème», einmal «La sonnambula», eine Rossini-Farce, das Neujahrskonzert, und Termin für Termin, salamitaktisch, wird die Erinnerung an Gustav Kuhns musikalisches Wirken gelöscht. Verantwortlich dafür: Paolo Carignani, Friedrich Haider, Oksana Lyniv und Patrick Hahn. Und eine Übergangsregierung...
