Auf der Suche nach dem Königsweg

Plädoyers für ein schwieriges Meisterwerk: Karol Szymanowskis «Król Roger» an der Pariser Opéra Bastille und am Theater Bonn

Opernwelt - Logo

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit Carl H. Hiller in dieser Zeitschrift mit ­einem monografischen Essay auf den wohl bedeutendsten polnischen Komponisten nach Chopin aufmerksam machte (siehe OW 1/1983): Karol Szymanowski.

Damals kannten allenfalls ein paar Connaisseurs das umfangreiche Œuvre des eigensinnigen Ästheten, der zeit seines viel zu kurzen Lebens – er starb 1937 als Mittfünfziger in einem Schweizer Sanatorium an Tuberkulose – der Musik seines Heimatlandes einen Weg jenseits epigonaler und doch zum Nationalidiom verklärter Romantik-Klischees wies: ein weltläufiger Wegbereiter der späteren Avantgarde um Penderecki und Lutoslawski. Auf den Spielplänen der Konzert- und Opernhäuser taucht Szymanowski, zumal außerhalb Polens, freilich selten auf.
Dabei hat er einen in seiner stilistischen Heterogenität und Bandbreite bemerkenswerten Werkkorpus hinterlassen: Klavierstücke, Lieder (darunter einen James-Joyce-Zyklus), Kammermusik, vier Sinfonien und zwei Violinkonzerte. Hinzu kommen fünf Kantaten (von denen nur das «Stabat mater» aus dem Jahr 1927 Eingang ins Repertoire fand), Schauspiel- und Ballettmusiken («Harnasie», 1931). Auch zwei komplette Opern sind ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wozzecks Verwandte?

George Gerswhin hob die Hand, um sie wie ein Falke auf die Tasten des Klaviers niederstürzen zu lassen. Doch plötzlich hielt er inne. «Eines noch, Rouben», sagte er, «es muss dir klar sein, dass das eine ganz schwierige Partitur ist. Eigentlich ist sie unmöglich. Kann man denn Wagner überhaupt auf dem Klavier spielen? Und das hier ist wie Wagner.» Vom Regisseur...

Affekte des Tanztheaters

Rameau, der große Wiederzuentdeckende, kommt immer mehr auch auf den kleineren Bühnen an. So versprach Oldenburg zum Spielzeitabschluss unter dem Titel «La Fête» ein Opernfest mit seiner Musik und erinnerte damit an barocke Traditionen. Wenngleich in ganz anderer Umsetzung als damals, vor mehr als 250 Jahren, als in Paris zur Zeit des Sonnen-königs und seines...

Prinzip Schönheit

Feinste Nuancen, souverän modelliert. Und doch schwingt der Drive der Bizet’schen Hit-Nummern ungebremst aus. Die bukolischen Klänge zu Beginn der Schmugglerszene hoch in den Bergen zum Beispiel sind von erlesener Delikatesse. Selbst das emotional explodierende, heftige Ende kommt gestochen scharf, ohne jede grelle Drastik. Erst recht ohne bruitistische Gewalt....