Geschärfte Konturen
«Gueuze & Kriek», liest man auf dem Programmheft der Flämischen Oper unter dem Operntitel «Le Duc d’Albe», die Worte tanzen auf einem Bierglas mit sprudelndem Inhalt. Jeder Tourist in Belgien kennt Gueuze und Kriek (Sauerkirsche) als zischend-erfrischende Varianten des Lambic-Bieres mit seinem säuerlichen Geschmack. Aber der Begriff «Gueuze» steht in den Geschichtsbüchern eben auch für die niederländischen Freiheitskämpfer, die im 16. Jahrhundert unter der spanischen Blutherrschaft des Herzogs von Alba zu Tausenden hingemetzelt wurden.
Da spricht es zweifellos für die Feinfühligkeit des Librettisten Eugène Scribe, dass er dem in Paris weilenden Gaetano Donizetti im Jahr 1840 – zehn Jahre nach Abtrennung des Staates Belgien von den Vereinigten Niederlanden – einen Stoff zum Vertonen überreichte, den man trotz aller Bier- und Partisanen-Romantik
politisch aktuell nennen muss.
Doch die öffentliche Wirkung blieb aus. Denn «Le Duc d’Albe», den Donizetti im Frühjahr 1840 nach der Premiere seiner «Martyrs» in Angriff nahm, wurde aus undurchsichtigen Gründen nicht vollendet, wobei die intrigenlüsterne Diva Rosine Stoltz eine unrühmliche Rolle gespielt haben mochte (Donizetti schrieb ihr ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Michael Struck-Schloen
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