Aus vollen Händen

Christian Jost: Hamlet in der Komischen Oper Berlin

Opernwelt - Logo

Ein Wurf? Wenn man «Hamlet» mit den Meisterwerken von Hans Werner Henze oder mit Aribert Reimanns «Lear» vergleicht – dann gewiss nicht. Doch mit sonstigen Berliner Uraufführungen kann sich die neue Oper von Christian Jost ohne Mühe messen. Der Publikumserfolg des Premierenabends galt neben dem pragmatisch zupackenden Gestus vor allem der Tatsache, dass hier kantable Musik einer Stimme auf den Leib komponiert war. Und die gehört der in Berlin beliebten Mezzo-Sopranistin Stella Doufexis (zugleich Ehefrau des Komponisten).


Vom robusten Naturell der Vorlage profitiert das Libretto des Komponisten. Mit Hamlets erstem Monolog («Schmölze doch dies allzu feste Fleisch…») heben die «12 musikalischen Tableaux» an, nach Ophelias Beerdigung wird rasch und mit Messergewalt Schluss gemacht. Die Person Hamlets drängt den Rest von Shakespeares Personal stark genug an den Rand, um eine noch konsequentere Konzentrierung und Monologisierung zu ermöglichen (während im Gegenteil etwa der «Sein oder Nichtsein»-Monolog in der Schlegel-Übersetzung auf den Chor verteilt wird). Das Manko eines zu pragmatischen Umgangs mit dem Stück fällt umso mehr auf, als die Inszenierung von Hausherr Andreas Homoki (die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wozzecks Verwandte?

George Gerswhin hob die Hand, um sie wie ein Falke auf die Tasten des Klaviers niederstürzen zu lassen. Doch plötzlich hielt er inne. «Eines noch, Rouben», sagte er, «es muss dir klar sein, dass das eine ganz schwierige Partitur ist. Eigentlich ist sie unmöglich. Kann man denn Wagner überhaupt auf dem Klavier spielen? Und das hier ist wie Wagner.» Vom Regisseur...

Frisch aus der Versenkung

Zwischen 1760 und 1780 genoss kein italienischer Komponist in Europa höheres Ansehen als der 1728 in Bari geborene Niccolò Piccinni (eigentlich: Nicola Vito Picinno). Mozarts Bemerkung in einem 1778 aus Paris geschickten Brief an den Vater, «dass ich so viell kann als [...] Piccini – obwohl ich nur ein Teütscher bin», spricht für sich. Heute steht von den mehr als...

Affekte des Tanztheaters

Rameau, der große Wiederzuentdeckende, kommt immer mehr auch auf den kleineren Bühnen an. So versprach Oldenburg zum Spielzeitabschluss unter dem Titel «La Fête» ein Opernfest mit seiner Musik und erinnerte damit an barocke Traditionen. Wenngleich in ganz anderer Umsetzung als damals, vor mehr als 250 Jahren, als in Paris zur Zeit des Sonnen-königs und seines...