Intrigenspiel
Unter den Veranstaltungen der zehntägigen Händel-Festspiele bleibt die jährliche Inszenierung einer Händeloper, die das heimische Opernhaus traditionsgemäß beisteuert, künstlerisches Zentrum. Es gibt kaum noch ein Bühnenwerk des Barockmeisters, das nicht schon einmal in seiner Geburtsstadt aufgeführt wurde. Für das Niveau des Festspielorchesters, das auch nach der Fusion des Opernorchesters mit der Staatlichen Philharmonie als Spezialensemble der historischen Aufführungspraxis weiterbestehen wird, ist diese Kontinuität ein Heimvorteil.
Der wird durch die jährliche Einladung eines Dirigier-Spezialisten der Barockszene befruchtet und führte in den letzten Jahren zu einem spürbaren Reifeprozess.
In diesem Jahr war es Michael Hofstetter, der nicht nur beim Eröffnungskonzert glänzte, sondern dem Orchester bei der Neuproduktion von «Rodelinda, Regina de’ Langobardi» (1725) beredten Glanz verlieh. Zudem ließ sich für Händels am dritthäufigsten inszenierte Oper ein Sänger-Ensemble aufbieten, dessen stimmlicher Glanzpunkt erfreulicherweise sogar aus dem eigenen Haus kommt. Romelia Lichtenstein faszinierte in der Titelpartie von Beginn an mit ihrer geschmeidigen Leichtigkeit ebenso wie mit ...
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«Comédie chantée» nannte Jules Massenet seinen 1905 uraufgeführten «Chérubin», ein entzückendes Werk über den nun etwas erwachsener gewordenen, aber immer noch in alle Frauen verliebten pubertären Cherubino: voller Leichtigkeit und Witz, dramaturgisch exzellent gebaut mit einer ausnehmend vielseitigen, qualitätvollen Musik, die auch schon mal nach der Opéra comique...
Im Juli 1883 unternahm der dreiundzwanzigjährige Gustav Mahler eine Pilgerreise nach Bayreuth, wo er tief bewegt dem «Parsifal» beiwohnte. «Als ich, keines Wortes mächtig, aus dem Festspielhaus hinaustrat», schrieb er an Fritz Löhr, «da wußte ich, daß mir das Größte, Schmerzlichste aufgegangen war, und daß ich es unentweiht mit mir durch mein Leben tragen werde.»...
Das gibt es nicht alle Tage: ein «Tristan», der – bildreich und spannend inszeniert – wie in einem einzigen Augenblick vorüberzuziehen scheint. Ein großartiger Erfolg am Mariinsky Theater. Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov erzählt die Geschichte, als betrachteten wir einen Bergman-Film. Treffsicher umreißt er psychologische Motivation, modelliert die...
