Macht der Liebe
Fangen wir mit der Musik an, sie ist die eigentliche Sensation des Abends. Ein tönend bewegtes Feuerwerk. Kaum zu glauben, dass hier dasselbe Orchester spielt, das man in den vergangenen zwei Spielzeiten häufig übersteuert und unpräzise erlebt hat. Die Gegenwart gehört der Jugend. Nicht einmal 30 Jahre alt ist Patrick Lange, der neue Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin. Was Lange mit der Partitur der «Meistersinger» anstellt, ist grandios. Von bräsiger Steifheit oder Gestelzt-Germanischem in dieser Partitur ist schlichtweg nichts zu hören.
Schon die Ouvertüre ist ein in vielen Facetten funkelndes Juwel, zudem formal gebändigt. Markant treten die musikalischen Charaktere hervor, aber eben nicht altbacken und didaktisch, wie man es häufig hört. Da waltet die pure Lust. Entsprechend saftig klingt die Melodie der Sehnsucht in der Ouvertüre auf.
Und genau darum geht es Andreas Homoki: um sehnende Lust, um uneingeschränkte Liebe, immer um beides. Darüber vergisst man die nach wie vor krude Handwerkergeschichte. Und auch, dass diese Oper beladen ist durch ihre Rezeption. Noch Peter Konwitschny konnte seinerzeit in Hamburg gar nicht anders, als in der nach wie vor ...
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Der Glaube an die bewusstseinsverändernde Kraft des Theaters hat seine besten Tage hinter sich. Die aristotelische Katharsis, das Lessing’sche Vertrauen in die sittliche Wirkung der Empathie, der Schiller’sche Ruf nach der Schaubühne als moralischer Anstalt – all das kommt uns heute wie Schnee von gestern vor. Aus vielen Gründen. Vor allem wohl, weil die Bühne...
So ganz weg war er nie. Selbst als noch kein Mensch den Barock-Boom vorausahnen konnte, der die Klassikszene erfassen sollte, gehörte Giovanni Battista Pergolesi zu den Komponisten, deren Werke auf Bühnen und Konzertpodien gespielt wurden. Das komische Intermezzo «La serva padrona» war in alten Opernführern lange das einzige Stück, das die Zeitspanne zwischen...
Es ist ein starkes Bild, das haften bleibt: Ein schier nicht enden wollender Menschenstrom hastet an einer riesigen Uhr vorbei, deren Zeiger sich viel zu schnell und rückwärts drehen. Wo sind wir? Was bedeutet das? Die Szene steht beispielhaft für das, was sich in den 18 Szenen mit Prolog und Epilog von Michael Obsts Stück «Die andere Seite» abspielt. Rund 100...
