Zerbrechliche Zeit
Er sei kein Komponist, der tagespolitische Musik erfinde. Das sagte Georg Katzer des Öfteren und ergänzte, dass ihm direkte politische Wirkungen eher fern lägen. Gleichwohl kündet aus dem Gros der weit über 100 Werke des 1935 in Schlesien Geborenen eine klare Botschaft: Wach sein, ästhetisch wie politisch. Allerdings müssen die Werke auch wirklich gehört, mithin gesehen werden. Denn Katzers Werktitel sind immer mehrdeutig-hintersinnig. Überschriften wie «Mon 1789» oder «Mein 1989» legen zwar Spuren zur Französischen Revolution bzw.
zum Mauerfall und zur Wende – beide elektroakustischen Stücke sind erzählende «Lautsprecher» der Ereignisse und ihrer Folgen, zusammengesetzt aus comic-haften, grotesken Klanggesten, zerfetzten, sich zersetzenden O-Tönen und Kommentaren –, doch ein in der neuen Musik beliebtes Titelwort wie «Landschaft» legt nicht unbedingt die Fährte zu Altkanzler Helmut Kohl, der im deutsch-deutschen Vereinigungsjahr 1990 versprach, in den neuen Bundesländern entstünden bald «blühende Landschaften».
Dank der künstlerischen Mittel, die Katzer, der u. a. als letzter Meisterschüler bei Hanns Eisler in Ost-Berlin studierte, sich aneignete, bilden auch diese ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Erinnerung, Seite 67
von Stefan Fricke
«Le vieil hiver a fait place au printemps;/ La nature s’est rajeunie»! Die Strecke von Lewes nach Glyndebourne – ein lockerer Vier-Meilen-Marsch – ist ohne Weiteres zu Fuß zu schaffen. Auf den Kreidekämmen der South Downs hat der Frühling nicht minder mächtig zugeschlagen als auf den ungarischen Feldern in Berlioz’ «Damnation de Faust». Sogar einen Hirten gibt es....
Die Frage lässt sich wohl kaum intuitiv beantworten und hat mit persönlichem Geschmack wenig zu tun: Machen die Musiker wirklich das, was der Komponist sich vorgestellt hat? Auch der Blick in den Klavierauszug gibt nur pauschal Auskunft. Um hier tiefer einzudringen, bedient sich der an vielschichtigem Verstehen interessierte Hörer dessen, was der Dirigent...
Nicht nur Mieczysław Weinbergs musikdramatisches Hauptwerk «Die Passagierin» wurde posthum aus der Taufe gehoben. Auch seine 1975 entstandene Kammeroper «Lady Magnesia» konnte der polnisch-jüdische Komponist selbst nicht mehr erleben. Konzertant wurde sie 2009 in Liverpool, szenisch 2012 am Theater Erfurt uraufgeführt. Zum 100. Geburtstag des...
