Tragödie aus Feuer und Licht
In einem Darmstädter Vortrag von 1961 dachte Theodor W. Adorno darüber nach, was künstlerische Utopie bedeutet. Seine Antwort: «Dinge machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind.» Das konnte, über alle Sentenzhaftigkeit hinaus, konkret auf die Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre bezogen werden. Und es hatte weitreichende Folgen. In der Oper bedeutete der viel zitierte Spruch beispielsweise einen Einspruch: Komponisten, die sich einfach ein Schauspiel aus dem Bücherregal greifen und es in Musik setzen, seien kaum ernst zu nehmen. Nicht zukunftsträchtig, hieß das Verdikt.
Weil da mit vorgestanzten Mitteln nur etwas bereits Vorhandenes bedient werde. Weil das ohnehin nur auf eine Verdoppelung hinauslaufe, auf Verflachung und Vampyrismus. Adorno wusste, wovon er sprach: Allein zwischen Ende 1945 und 1950 fanden im deutschsprachigen Raum über hundert Ur- und Erstaufführungen statt, die auf Weltliteratur zurückgriffen. Auch die folgenden Jahre waren voll davon. Was natürlich kein Zufall ist. Gerade im besiegten, nach Identität suchenden Deutschland der Adenauer-Jahre verlangten die Menschen nach festen, unzerstörbaren Werten. Literatur als Oper wärmte die Herzen und füllte die ...
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50 Jahre «Opernwelt» und «Theater heute»: Das haben wir zum Anlass genommen – nicht für einen Festakt, sondern für ein Fest. Es fand am 28. August im Berliner Schiller-Theater statt, einem Ort, der durch seine Geschichte mit dem Schauspiel und durch seine Zukunft mit der Oper verbunden ist. (Seit Oktober 2010 spielt dort die Berliner Staatsoper, danach wird ihn die...
Herr Welser-Möst, neue Besen, sagt man, kehren gut. Nun haben Sie hier an der Wiener Staatsoper schon die letzten Jahre musikalisch mitgeprägt. Was könnte Ihrer Meinung dennoch besser werden?
Zunächst einmal hat diese Tätigkeit mir die Chance gegeben, das Haus sehr gut kennenzulernen. Natürlich, wie die Amerikaner sagen, «there’s always room for improvement»....
Herr Metzmacher, im Programmheft zur Salzburger Uraufführung von Wolfgang Rihms «Dionysos» beschreiben Sie Ihren ersten, vorsichtigen Kontakt mit der neuen Partitur. Wovor haben Sie in einer solchen Situation am meisten Angst?
Vor gar nichts. Ich bin nur neugierig. Im Falle von «Dionysos» kam die Partitur schubweise. Es war jedes Mal sehr spannend zu sehen, wie sich...
