Primadonne stupende
Die Sopranistin Simone Kermes und die Mezzosopranistinnen Joyce DiDonato, Anna Bonitatibus und Vivica Genaux sind heute Stars der internationalen Opernwelt. Auf drei CDs widmen sie sich jetzt dem Belcanto – jener Kunst, bei der die Mienen der Musikliebhaber schon seit über 300 Jahren in Verzückung geraten. Um 1600 gemeinsam mit der Oper entstanden, dominierte der Belcanto vom Ende des 17. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts das Musiktheater und ging als subtilste Kunstform des Operngesangs in die Geschichte ein.
«The Rival Queens» lautet der Titel der CD, auf der sich Simone Kermes und Vivica Genaux den beiden Barock-Primadonnen Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni zuwenden. Letztere ist als Gemahlin des Komponisten Johann Adolph Hasse unsterblich geworden. An Erstere knüpft sich die Anekdote, Händel habe ihr androhen müssen, sie aus dem Fenster zu werfen, bevor sie bereit war, in der Oper «Ottone» die Arie «False immagine» so zu singen, wie er sie komponiert hatte. Da die Reise der modernen rival queens nicht nach London führt, fehlt «False immagine» auf dieser Zusammenstellung, doch ist reichlich Material vorhanden, anhand dessen der Kampf der verfeindeten Primadonnen ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 38
von Detmar Huchting
Es sind so viele Emotionen an diesem Abend», sagt Chefdirigent François-Xavier Roth, und sein Blick nach einer beeindruckend bedrückenden Interpretation von Anton Bruckners Achter Sinfonie sagt alles. Da hat ein Orchester gewissermaßen sein eigenes Requiem gespielt. «Mysterium» – «Apokalyptische» lauten die Beinamen des gewaltigen sinfonischen Werks. An diesem...
Seit über Kunst nachgedacht wird, also schon sehr lange, treibt die Frage um, was Musik eigentlich sei. Das «Schöne», sein Eigenwert, seine Funktion, in Abgrenzung zum «Hässlichen» – darum kreisen die Debatten. Im deutschen Kulturbereich scheint das Thema nach wie vor blockiert. Idee wie Ideologie der «absoluten» Musik haben diese festgelegt auf die kunstreligiöse...
In den 1950er-Jahren ließ der Wiener Chansonnier Hermann Leopoldi im Liede einen wegen nächtlicher Ruhestörung eingebuchteten «stillen Zecher» jammern: «Geh’n S’ nur in d’ Oper rein – dort singen d’ Leut’ viel lauter noch, aber die sperrt keiner ein.» Man sieht, das Missverständnis, Lautstärke sei eine Qualität des Operngesangs, ist nicht neu. Schon Verdi hat...
