Zauberhaft entzaubernd

Achim Freyers zweiter Anlauf: Wagners «Ring des Nibelungen» startet am Nationaltheater Mannheim

Opernwelt - Logo

Mannheim wird ‹Ring›-Hauptstadt» – vollmundig spricht sich das Nationaltheater im Konkurrenzkampf mit dem Ludwigshafener «Ring» Hansgünther Heymes Mut zu. Dabei war nach dem Zerwürfnis mit dem ursprünglich vorgesehenen Regisseur Christof Nel unmittelbar vor Probenbeginn eher das Gegenteil zu befürchten. Aber Mannheims Operndirektor Klaus-Peter Kehr konnte als Einspringer keinen Geringeren als Achim Freyer aus dem Hut zaubern, der nach seinem erst im vergangenen Jahr abgeschlossenen «Ring» in Los Angeles nun erneut Wagners Tetralogie inszeniert.



Bei Freyer, der wie stets auch für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, ist alles hinweggewischt, was die Begegnung mit Wagner auf dem Regietheater oft zur Qual macht. Der Zuschauer erhält keinen ideologie- oder sozialkritischen Nachhilfeunterricht, muss sich nicht mit politischen Aktualisierungen herumschlagen und bleibt vor Psychologisierungen mit dem Holzhammer verschont. Freyer skelettiert die Handlung auf ihre Grundmuster und setzt die Figuren auf der zeit- und ortlosen Bühne wie ein Zirkusdirektor in Szene. Das nimmt dem Lehrstück vom Anfang und Ende der Zeiten, dem Spiel um Macht, Liebe und Tod aber nichts von seiner Brutalität. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Dschungel-Blues

Der Stubenfliegenbengel singt Tenor und ist kreuz-unglücklich. Gerade erst aufgewacht, muss er schon ans Ende denken – in der festen Überzeugung, eine Eintagsfliege zu sein. Und weil Kostas noch längst nicht die Biege machen, sondern lieber mit seinen hippen Krabbelkumpels weiter durch den Großstadtdschungel stromern will, hat er den Blues. Natürlich den...

Nationales Ereignis

Mit Gender-Crossing und Wikingermythos eine schwedische Nationaloper im Stil Wagners schaffen. Kein geringeres Ziel hatte sich der Schwede Wilhelm Stenhammar gesetzt, als er 1898 mit «Tirfing» sein zweites Werk für die Bühne komponierte. Doch der 27-Jährige hatte sich verschätzt: Die Oper fiel durch. Gerade 17-mal wurde «Tirfing» bis 1901 gegeben, um danach in der...

Zweierbeziehungen

Acht Personen, die niemals zusammen auf der Bühne stehen: für ein chorloses fünfstündiges Werk bedeutet das durchaus die Konstellation einer Kammeroper, wenngleich das Getöse der Schmiedelieder und das Schluss­duett diesen Aspekt konterkarieren und mit den Schicksalswettern der dritten Orchester­einleitung gleichsam die «Götterdämmerung» ernstlich-eschatologisch...