Schmalspurbarock
Der Anfang überrumpelt: Eine wüste Soldateska im Kampfanzug von Fallschirmjägern stürzt auf die Bühne, seilt sich teilweise aus dem oberen Rang des Globe-Theaters ab und hält eine zum Festmahl versammelte Gesellschaft brutal in Schach. Da fühlt man sich, verstärkt durch den direkten Kontakt zur Spielfläche im Provisorium «RheinOperMobil», an Peter Sellars’ einstigen Zugriff auf Händels Meisterwerk erinnert. Doch Philipp Himmelmann verzichtet bei seiner Verlegung des historischen Konflikts ins Heute auf Sellars’ oft witzig angeschrägte Zuspitzungen.
Eine schwarze Dominaschar als Harem des Ptolemäus, die als Waffe eingesetzte Maggie-Thatcher-Handtasche der Cornelia oder ein Planschbecken für den völlig verschenkten Tugend-Zauber der Cleopatra (ohne Bühnenorchester) sind Klischees der Handelsklasse B (Ausstattung: Gesine Völlm).
Umso kräftiger legt Himmelmann die Regiehand am Ende an. Die Soldateska liquidiert sich im Stroboskopgewitter selbst, die sanftmütige Cornelia sticht mit dem Messer wie wahnsinnig in den von ihrem Sohn Sextus bereits erlegten Bösewicht Ptolemäus, und Cleopatras Vertrauter Nirenus macht den jungen Sextus betrunken, um dessen Niederlanden einen pädophilen Besuch ...
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