Wenn Bilder erzählen
Bevor der erste Ton des «Rheingold»-Vorspiels aus dem Orchestergraben heraufbrummt, gehört die Bühne des Weimarer Nationaltheaters den Kindern. Drei Mädchen in adrett karierten Sonntagskleidern haben Regisseur Michael Schulz und sein Dramaturg Wolfgang Willaschek den Beginn der Tetralogie anvertraut. Mit giftgrünen Drachen-Handpuppen erzählen sie sich die Geschichte, so wie sie Wagner in seinem ersten Entwurf 1848 festhielt – den Unschuldigen ist selbst diese vor Verrat und Habgier triefende Geschichte nur ein harmloses Märchen. Kinder sind sozusagen das Leitmotiv.
Jeden Abend eröffnen sie den Weimarer «Ring»: die im Geiste ihrer Väter gedrillten Zöglinge Wotans und Alberichs in der «Walküre», der sich selbst überlassene junge Siegfried, der sich zu den Klängen des Vorspiels mit seinem Sagenbuch auf dem Boden lümmelt, und schließlich die verwahrlosten Kids der «Götterdämmerung», die nur noch verständnislos den Vorträgen der Nornen-Omis lauschen. Die schöne Grundidee spiegelt den jeweiligen Zustand der «Ring»-Gesellschaft: Jedes System zeigt seinen Charakter eben doch am deutlichsten in seinen Kindern, und wenn sich am Ende die unterdrückten Frauen des Gibichungen-Volks von einem ...
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Herbstlaub, Asche, Staub. Acht betongraue Himmelstürme ragen in den Schnürboden. Bleischwer ist die Luft, von den Klagelauten aus den Büchern Jesaja und Jeremia und vom Gehämmer der Trümmerfrauen. Alles schmeckt hier nach Apokalypse, nach Endzeit – die Sprache, die Geräusche, die Musik, der Raum. «Am Anfang» hat Anselm Kiefer seine Installation für die Pariser...
Wer zwischen München und Zürich Oper erleben möchte und bislang in Bregenz Station machte, kommt künftig am kleinen St. Gallen nicht vorbei: In der Ostschweiz finden seit nunmehr vier Jahren die St. Galler Festspiele statt, die ihren Kinderschuhen längst entwachsen sind. Einen einmaligen Schauplatz besitzt das 14-tägige Festival in dem Klosterhof vor der St. Galler...
Man hockt aufeinander in Bad Wildbad. Es ist eng im Tal, durch das sich die Enz geräuschvoll schlängelt. Was die Nachbarn plaudern, auf den Restaurantterrassen, den Parkwegen – man bekommt es mit. Und das ist häufig eine mehr als nur gediegene Kenntnis in Sachen Rossini. Man muss nicht gleich vom Bayreuth der Rossinianer reden. Aber es ist etwas dran am...
