Wien leuchtet
Der See, über dem die Amme zu Beginn der «Frau ohne Schatten» ein geisterhaftes Licht wahrnimmt, lässt in Vincent Huguets Wiener Neuinszenierung an jenes bleiche unterirdische Gewässer denken, an dem – glaubt man Gaston Leroux – ein gespenstischer Maskenmann hauste und seinem dämonischen Orgelspiel frönte. Dieser «See» existiert tatsächlich, ein Grundwasserbecken an der Rue Scribe, tief im Keller der Opéra de Paris. Man könnte sich vorstellen, dass Aurélie Maistre, Bühnenbildnerin der Wiener Produktion zum 150.
Geburtstag des Staatsopernbaus, sich davon zu ihrem grauen Basaltmauerdekor inspirieren ließ.
Realiter kann sich das Haus an der Ringstraße mit solch einem Wasserreservoir nicht brüsten. Und auch nicht virtuell mit einem Opernphantom, obwohl der derzeitige Direktor Dominique Meyer dem Palais Garnier langjährig verbunden war. Was jedoch lebenswahre Tragik betrifft, ließ die Staats-, (ehemals Hof-)Oper ihr Pariser Pendant von Anfang an hinter sich. Während Charles Garnier an der Seine gefeiert wurde, erlitten seine Wiener Kollegen Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg Anfeindungen und Demütigungen. Im April 1868, ein Jahr vor der Eröffnung des ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Gerhard Persché
Der Nachruhm des Komponisten Nicola Vaccaj (1790-1848) beschränkt sich im Wesentlichen auf seine noch heute gelegentlich verwendete Gesangsschule («Metodo pratico di canto italiano per camera»), doch vergebens sucht man in aktuellen Opernführern nähere Informationen zu einem seiner 17 Bühnenwerke. Das gilt selbst für «Giulietta e Romeo» (Mailand, 1825), ein...
Welche Regisseurin, welcher Regisseur wünschte sich das nicht: Carte blanche bei der Stückauswahl. Fanny Ardant, eine der letzten großen Film- und Theaterdiven Frankreichs, kam in diesen Genuss: Die Griechische Nationaloper mit Sitz im Kulturzentrum Stavros Niarchos fragte bei der Schauspielerin an, ob sie Interesse hätte, in Athens modern-mondänem Musentempel ein...
In der Phase ihrer tiefsten Depression wachte Sarah Kane jeden Morgen um 4.48 Uhr in einem Zustand größter Klarheit auf. Vielleicht muss man es sich so vorstellen, dass sie in diesem Moment alle Ängste, jede Verzweiflung, die ganze Zerrissenheit notierte. Ihr letztes Stück heißt «4.48 Psychose»; kaum war es fertig, brachte Kane sich um, Anfang 1999. Eineinhalb...
