Phantom der Oper
Vom Hellen ins Dunkle führen viele Wege. Das wussten nicht nur die Dichter der (deutschen) Romantik. Aber vielleicht waren sie, im frühen 19. Jahrhundert, die ersten, die der amorphe Zauber der Finsternis mehr bewegte als das Licht der ordnenden Vernunft. Ihre Märchen und Novellen, ihre Romane und Verse kreisen vor allem um das Abgründige, Geheimnisvolle, Unerklärliche – in sprachmächtigen Bildern, die «die unendlich schöpferische Musik des Weltalls» (Novalis) gegen die Zumutungen eines durchrationalisierten Lebens verteidigen.
Bei Eichendorff, dessen Todestag sich unlängst zum 150. Mal jährte, schwingt in jeder Zeile die Trauer über die Entzauberung der Welt durch Wissenschaft und Technik mit, das tiefe Unbehagen an einer Zivilisation, in der die Natur zur «einförmigen Maschine erniedrigt worden» sei. Brentano, Chamisso, Hölderlin, Tieck – sie einte, über alle Unterschiede hinweg, die skeptische Distanz zum «stahlharten Gehäuse» der Moderne (Max Weber).
Mit dem «grauen Licht der gewöhnlichen Aufklärung» (Rüdiger Safranski) hatte auch E. T. A. Hoffmann seine liebe Not – gewiss der schwärzeste Poet eines fortschrittskritischen Bewusstseins, das der dürren, zweckrational ...
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Verglichen mit Alberto Franchettis «Germania» und Vittorio Gnecchis «Cassandra» – Kirsten Harms‘ jüngsten Ausgrabungen an der Deutschen Oper Berlin – ist Eugen d’Alberts «Tiefland» geradezu ein Herzstück des Repertoires. Tatsächlich erwacht das 1903 uraufgeführte und 1905 zur gängigen Fassung überarbeitete Musikdrama nur sehr allmählich aus seinem...
Reinhard Keisers für die Oper am Hamburger Gänsemarkt geschriebenes Opus über den «hochmütigen, gestürzten und wieder erhabenen Croesus» enthält genug action, um davon sechs Folgen einer Daily Soap zu bestreiten. Das 1711 uraufgeführte und 1730 überarbeitete Stück, das Opera North unter dem Titel «The Fortunes of King Croesus» derzeit als britische Erstaufführung...
Die Badenutten in ihren weißen Frotteetüchern könnten den Abend genießen, doch die Störung ist eingeplant. «Wo bleibt Elektra? Ist doch ihre Stunde...» Vorsichtig spähen sie eine gekachelte Wand hinunter, in ein trocken gelegtes, mit Blumenerde gefülltes Becken. Dort tut sich zunächst gar nichts. Erst später hört man eine Stimme nach Agamemnon rufen, den...
