Labyrinth der Leidenschaften

Francesco Cavallis «Elena» aus Aix-en-Provence und «Giasone» aus Sydney

Opernwelt - Logo

Dem 1649 am Teatro San Cassiano in Venedig uraufgeführten «Giasone» war schon zu Francesco Cavallis Lebzeiten internationaler Erfolg beschieden. Warum fiel «Elena», die zehn Jahre später über die Bühne desselben Opernhauses ging, alsbald in einen 350-jährigen Schlaf? Angesichts des Triumphes bei ihrer «zweiten Uraufführung» 2013 auf dem Festival von Aix-en-Provence gehört das zu den Rätseln der Musikgeschichte.

Beide Opern zeigen die üblichen amourösen und kriegerischen Verwicklungen, ein lieto fine bahnt den Weg aus dem Labyrinth unglücklicher und unmöglicher Leidenschaften, fügt zusammen, was zusammen gehört, und mündet in einen Schlussgesang von der Macht der Liebe.

Doch «Elena» hat dem «Giaso­ne» an musikalischer und dramaturgischer Raffinesse manches voraus: Erzählt wird nicht die berühmte Entführung, die den Trojanischen Krieg auslöste, sondern das Verwirrspiel, in dem Menelaos und Helena als junge Leute ein Paar wurden. Köstlich ist die doppelte Travestie des Menelaos (ursprünglich eine Kastratenrolle, hier vom Countertenor Valer Sabadus dargestellt), der als Elisa verkleidet einem Tölpel namens Piri­thous den Kopf verdreht. Erst am Ende erkennt der Düpierte errötend, wem er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Detmar Huchting

Weitere Beiträge
Diana im Dschungelcamp

Von Zeit zu Zeit, und wenn der Lauf der Dinge wieder mal nicht so ist, wie er sein sollte, denkt der geschichtsbewusste Österreicher an den guten alten Kaiser Ferdinand I. mit dem Beinamen «der Gütige». Wobei Letzterer sich weniger auf des Regenten Wohltätigkeit als auf seine limitierten intellektuellen Fähigkeiten bezog. So soll er, mit der 1848er-Revolution der...

Elektra - The Sequel

Man sollte nichts tun, worüber man nicht nach Tisch reden kann, schrieb Oscar Wilde. Insoweit sollte man Orest besser nicht zum Dinner laden, denn seine Tat – der Muttermord – eignet sich kaum zum Small Talk. Die Erinnyen, die ihn in Form eines abgrundschlechten Gewissens verfolgen, sind jedenfalls erzürnt. Apollo, der ihn zu dieser Tat anstiftete, zieht sich auf...

Kampf um den Hügel

Das musste wohl so kommen. Nach dem erzwungenen Abbruch seiner Arbeit am Bayreuther «Parsifal» revanchierte sich Jonathan Meese auf seine Art: In der Modern Art Gallery in London zeigt er Katharina Wagner als blonde Bratwurst. «Die Tage der angeblichen Wagnerführung sind gezählt», wetterte er zuletzt von München aus in Richtung Bayreuth, «man muss halt wissen, was...