Irgendwo im Nirgendwo
Trotz der mitreißenden Musik ist Strawinskys einzige abendfüllende Oper kein Lieblingskind des Repertoires geworden. Dabei lag der Komponist nicht falsch, als er in William Hogarths satirischer Kupferstichserie packende theatralische Situationen für ein freches neoklassizistisches Musiktheater-Experiment erkannte.
Vielleicht hätte die Geschichte über den jungen Tom Rakewell, der nach einer Erbschaft zum Lebemann wird und an der Verderbtheit der Londoner Gesellschaft zugrunde geht, sogar eine zweite Dreigroschenoper werden können, deren barocke Vorlage ebenfalls den satirischen Geist der frühaufklärerischen Künstler um Hogarth atmet. Doch Strawinskys Librettist Wystan Hugh Auden vertraute nicht auf das Personal der Stiche: Er stellte Tom mit Nick Shadow einen mephistophelischen Versucher an die Seite. Das verleiht der Bilderfolge zwar einen roten Faden. Doch die Gesellschaftssatire verliert durch die Einführung des faustischen, übernatürlichen Moments an Schärfe.
Es ist ein Dilemma, aus dem auch Arila Siegert in ihrer Schweriner Neuinszenierung keinen überzeugenden Ausweg findet. An ihrer küchenpsychologisch anmutenden Idee, die Geschichte aus der Entstehungszeit der Komposition zu ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Carsten Niemann
Kein Wunder, dass Edvard Grieg abwinkte. Das Libretto, das Maurice Maeterlinck 1899 schrieb, um seiner singenden Lebensgefährtin gute Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen, eignet sich kaum für eine Oper. Mythos auf Märchen getürmt; symbolistische Übersteigerung, abgefangen durch krass realistische Raum- und Regievorstellungen; Seelenschau statt Narration; die...
In einer Schmiede, sollte man meinen, geht es hitzig zu, stieben Funken, rinnt Schweiß. Der neue Leipziger «Siegfried» hingegen hat Mühe, auf Betriebstemperatur zu kommen. Was weniger an den seltsamen Schlingpflanzen liegt, die Bühnenbildner Carl Friedrich Oberle wuchern lässt. Sondern daran, dass der erste Aufzug nicht funktionieren kann, wenn Mime nicht zündet....
Herr Eröd, wie lernt sich eine solche Partie?
Es braucht schon seine Zeit. Interessanterweise handelt es sich aber um eine Musik, die einen irgendwann zu einem Punkt führt, ab dem alles sehr logisch wirkt und daher Spaß macht.
Sind Sie ein Schnelllerner?
Ich war einer. Aber offensichtlich ist das eine Frage des Alters (lacht). Ich mache diesen Job jetzt 20 Jahre....
