Am Limit
Dem neuen «Don Carlo» der Royal Opera in London kann man sich auf zwei verschiedenen Wegen nähern. Der eine geht ungefähr so: Rolando Villazón, Tenorissimo der Stunde, krönt nach mehrmonatiger Indisposition bei seinem ersten Bühnenauftritt ein Spitzenensemble in einer prachtvollen Produktion von Verdis Spanien-Drama, deren Mastermind «die einflussreichste Persönlichkeit der britischen Theaterlandschaft» ist: Nicholas Hytner, Intendant des National Theatre.
Auf dem anderen Weg indes gewinnt man den Eindruck, Villazón werfe sich mit sehr viel mehr Herzblut in die Titelrolle, als seiner eher schlanken Stimme guttut, Antonio Pappanos Dirigat ächze unter dem Gewicht selbstauferlegter Bedeutungsschwere, und Hytners Inszenierung, obgleich genau auf Text und Figuren fokussiert, hinke einer avancierten Opernregie um etwa drei Jahrzehnte hinterher.
Am Ende sprach (fast) alles für die zweite Lesart. Mit diesem «Don Carlo» hat sich Covent Garden eine weitere Schaufensterproduktion geleistet, leicht konsumierbar, doch ohne Biss und Haltung. Das Beste waren noch jene vereinzelten Momente, in denen die Hauptakteure die ihnen auferlegten Beschränkungen abschüttelten und zeigten, was ...
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