Wir sind mehr
Zwei Tage noch bis zum heiligen Fest, und was macht der Himmel über Chemnitz? Er weint: dickkugelige Tränen. Kein Wunder, dass die Trottoirs verwaist sind; nur einige Versprengte eilen mit glühweingeröteten Wangen vorüber. Auch auf dem Theaterplatz ist jetzt, um zehn Uhr abends, keiner mehr, mit dem man man reden könnte. Ringsherum nur dickes Gemäuer, wie in Georges Rodenbachs totem Brügge.
Immerhin, im zweiten Obergeschoss des zwischen 1906 und 1909 nach Plänen von Richard Möbius erbauten Opernhauses brennt noch Licht: Sylvia Schramm-Heilfort und Claudia Müller-Kretschmer singen, begleitet von Jeffrey Goldberg, in der Reihe «Nachtcafé» Medleys, Lieder und Songs von Zarah Leander, Cole Porter, Georg Kreisler und Johann Strauß. Zur Rechten die evangelische Kirche Sankt Petri, über deren Portal die Worte «Deinen Eingang segne Gott» ins regnerische Dunkel schimmern, vis-à-vis das König Albert Museum, es beherbergt die Kunstsammlungen Chemnitz. Dort haben sie ein Banner angebracht: «Für eine tolerante, weltoffene und gewaltfreie Stadt». War anscheinend nötig.
Seit den hasserfüllten Ausschreitungen Ende August vergangenen Jahres schwelt diese Wunde, die der von rechten Kräften ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Jürgen Otten
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit. Videoprojektionen sind heutzutage aus den Opernhäusern nicht mehr wegzudenken. Mal bringen sie künstlerischen Mehrwert durch konstrastierende Brechungen des Bühnengeschehens. Mal verdoppeln sie nur das, was man sowieso auf der Bühne sieht. Doch immer standen sie in irgendeinem Verhältnis zur Bewegung realer...
Die Texte aus Heines «Lyrischem Intermezzo» haben nicht nur Robert Schumann zu außerordentlichen Liedkompositionen inspiriert. Das gilt nicht zuletzt für die 16 Nummern seines berühmtesten Zyklus, der «Dichterliebe». Und einzelne Alternativfassungen weckten durchaus das Interesse hochmögender Interpreten: So nahm Dietrich Fischer-Dieskau (mit Michael Ponti am...
Beat Furrer
Fünf Menschen, von der Welt abgeschieden. Die Zeit steht still. Wie das klingt? Eine Antwort gibt das neue Stück des Siemens-Musikpreisträgers Beat Furrer an der Berliner Staatsoper: «Violetter Schnee». Matthias Pintscher dirigiert, Regie führt Claus Guth. Außerdem im Haus Unter den Linden: «Kopernikus» von Claude Vivier und eine Kreation mit der...
