Leere Chose
Ein robustes Werk wie «Götterdämmerung» gegen die Wand zu fahren, dafür muss man schon ein erhebliches Maß an Untalent oder Gleichgültigkeit investieren. Trotzdem gelang es dem flämischen Toneelhuis-Chef Guy Cassiers, das Parkett im Berliner Schiller Theater bis zum Ende der Vorstellung so sehr geleert zu haben, dass die verbliebenen Buh-Rufer durch das persönliche Eingreifen des Hausherrn Jürgen Flimm bekämpft werden konnten. Tut nichts.
Die beweglichen Pausenbilder flimmernder Video-Screens, der Fetzenlook unsagbar hässlicher Kostüme, dazu der entschiedene Wille, sich inhaltlich auf nichts festnageln zu lassen, all das bot eine so stumpfe Reibungsfläche für die musikalischen Mitstreiter, dass man diese für das gesangliche Niveau bewundern muss. Diese «Götterdämmerung» wirkt in Berlin überflüssig wie ein Kropf. Und war nicht einmal in der Premiere ausverkauft.
Lediglich Iréne Theorin, in Bayreuth gern gescholten, rettet als Brünnhilde dank eines dynamisch souverän ausdifferenzierten Schlussgesangs die Partei der Hauptdarsteller. Einige ihrer gallertartigen Töne mögen wie entzündet klingen. Dank einer grell, aber gut fokussierten Stimme findet sie hier dennoch zu ihrer vermutlich ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Kai Luehrs-Kaiser
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Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das erste Opernhaus unter der modischen Überschrift «Elektra I & II», die Richard-Strauss-Oper mit Manfred Trojahns «Orest» als Fortsetzung koppelt. Das Atriden-Double nähme es in Sachen Sex (eher weniger) und Crime (dafür umso mehr) durchaus mit Wagners «Götterdämmerung» auf, wäre aber dennoch deutlich kürzer.
Die Sache...
