Der Tod und das Mädchen
Der Anfang kündet schon vom Ende. Noch während der Ouvertüre zu «Roméo et Juliette» (von Evan Christ und dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus in üppigen, regenwolkenschweren Klangfarben auf die imaginäre Leinwand gepinselt) hebt sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf eine Beerdigungsszene. Die Familiengruft der Capulets. Es tritt hinein eine schwarz gewandete Trauergemeinde mit Regenschirmen (obwohl es gar nicht regnet).
In ihrer Mitte ein Trio fatale: der schwer schwankende Vater Capulet, blutleer sein vormals designierter Schwiegersohn, Graf Páris, tränenüberströmt Juliettes Amme Gertrude. In den Händen halten sie weiße Lilien: Blumen des Todes. Die Musik erzählt davon. Sie nimmt das Drama vorweg, allein die Bläserfanfaren sind von einer Wucht, die jeden niederschmettert. Dazu d-moll. Es ist die Tonart des Todes schon in Mozarts «Don Giovanni».
Allein der musikalischen Faktur wegen ist dieses Bild triftig. Zugleich präpariert es die Stimmung der folgenden drei Stunden, weist uns auf die eingeschlagene Richtung. Denn mögen auch einige Farbtupfer in die von (natürlich schwarzen) Säulen gesäumte Familiengruft (Ausstattung: Gundula Martin) hineinfallen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man tauchte sie in siedend heißes Wasser und schickte nach dem Henker, ihr das Haupt abzuschlagen. Doch es nützte alles nichts. Der glaubensstarken Cäcilie, Tochter aus gutem Patrizierhause, konnten selbst die grausamsten Folterqualen im heidnischen Rom nichts anhaben. Erst als Gottvater es für geboten hielt, sie heimzurufen, entschwebte die standhafte Seele von...
Das Moskauer Bolschoi Theater gilt westlichen Besuchern als Opernmuseum schlechthin, und es hat sich bis vor Kurzem auch selbst so definiert. Ein schönes Beispiel bietet die Inszenierung des «Eugen Onegin» von 1944, die mehr als sechs Jahrzehnte auf dem Spielplan des Hauses stand und im Jahr 2000 von dem unlängst verstorbenen Regisseur Boris Pokrovsky noch einmal...
Majos «Alessandro» wurde 1766 in Mannheim uraufgeführt und dort im Mai 2008 erstmals wieder gespielt (siehe OW 7/2008). Jetzt sind die überlieferten Musiknummern – die Rezitative sind verloren – in einer Studioproduktion mit Ensemble und Orchester des Mannheimer Nationaltheaters unter der zupackenden Leitung von Tito Ceccherini zu hören. Wie viele Seria-Opern des...
