Zündendes Debüt
Die Sandsäcke an der Rampe und die Granateneinschläge, die noch vor dem ersten Ton des Orchesters donnern, die Flower-Power-Jeansrock-Lässigkeit von Salome, das schlichte Anzugsgrau der Hofgesellschaft und die Kampfkleidung der Soldaten – all das behauptet in Meiningen szenisch zunächst einmal die Gegenwärtigkeit eines über hundert Jahre alten Stücks, dessen Sujet bis in biblische Zeiten zurückweist.
Auch die Gefangenen in der unteren Etage eines nüchtern stilisierten, verglasten Wüstenstützpunktes mitten in einer Endzeitkulisse deuten auf eine leidlich bekannte und höchst aktuelle Dynamik: Gewalt und Gegengewalt. Und doch hält sich Regisseurin Andrea Moses nicht mit Äußerlichkeiten auf. Sie versucht sozusagen von innen her «Salome» zu analysieren. Weil sich Salomes Werben um Jochanaan von der begehrenden Obsession und deren Abwehr zu einem grundsätzlicheren Konflikt weitet – Liebe, Leben, Körperlichkeit versus Askese, Jenseits, Heilserwartung –, geht die junge Frau bis zum Äußersten: Sie berückt den Vater Herodes und den Propheten Jochanaan mit demonstrativer Nacktheit. Und weil Salomes Tanz, bei dem sie vor allem die anderen tanzen lässt, zu einem letzten Diskurs gerät, den nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.
Diese...
Luigi Cherubinis Vertonung der finstersten aller griechischen Tragödien markiert einen Wendepunkt der Operngeschichte. Mit diesem 1797 in Paris uraufgeführten Werk des seit 1786 in Frankreich lebenden Cherubini kommt die von Gluck begonnene Verschmelzung der italienischen Opera seria mit der französischen Tragédie lyrique zum Abschluss und treibt zugleich weit...
Ein Jammer, dass Stephan Suschke nicht Katharina Wagner heißt. Denn dann wäre seine Neuinszenierung der selten gespielten Oper «Das Herz» von Hans Pfitzner im Mainfrankentheater vermutlich auf jene überregionale Resonanz gestoßen, die sie verdient hätte: Die Großkritiker, die zum Regiedebüt der Wagner-Urenkelin 2002 noch alle kamen, sind ausgeblieben. Aber auch...
