Selbst ernannter Prophet
Die Insignien und Embleme unterschiedlichster Religionen, sie fügen sich hier zu einem unheimlichen, erdrückend wirkenden Labyrinth aus Statuen. Antike Gottheiten: Buddhas, Pharaonen, Drachen, Madonnen, Gekreuzigte... Wer findet sich noch zurecht auf diesem Skulpturenfriedhof? Wer verheißt Orientierung? Wo sind die echten Heilsbringer?
Für Joan Anton Rechi, Alfons Flores und Moritz Junge ist diese Frage in Karol Szymanowskis «König Roger» so zentral, dass sie sie in ihrer Mainzer Interpretation dieses trotz seiner viel beachteten Wiederentdeckung in (u. a.
) Breslau, an der Pariser Bastille-Oper und bei den Bregenzer Festspielen 2009 noch immer selten gespielten Opernoratoriums mit einer alles dominierenden Bildsprache vor Augen führen – einer, die von Anfang an Zweifel herausfordert. Der katalanische Regisseur und sein Bühnen-/ Kostümbildner-Team zeigen eine Welt versteinerter Religionen und eine multireligiöse Gesellschaft, die inmitten dieses Skulpturenparks als getriebene, leicht lenkbare Masse herumirrt.
Bis ein neuer Heilsbringer erscheint. Der Figur des Hirten, der im Opernlibretto die Rolle eines neuen, eine (auch sexuell) befreite Welt versprechenden Heilsbringers einnimmt, ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Alexander Dick
In schweren Zeiten sehnt sich der leidende Mensch nach ein wenig Heiterkeit. Das Kino war im Zweiten Weltkrieg dafür das ideale Medium. Doch auch die Musik könnte helfen. Anno 1940 schrieb Serge Prokofjew seine «lyrisch-komische» Oper «Die Verlobung im Kloster» nach der Komödie «The Duenna» von Richard Brinsley Sheridan (1775). Die zweite Frau des Komponisten, Mira...
Mit drei fast zeitgleich veröffentlichten Recitals geht Virgin Classics in eine Primadonnen-Offensive, die sich auch in der Programmgestaltung vom Mainstream abzuheben versucht. Im Fall der amerikanischen Mezzosopranistin Joyce Di Donato ist die Idee eines Konzept-Albums, das bekannte Opernstoffe von verschiedenen Seiten beleuchtet, sei es durch den Wechsel der...
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Selbst bei der Länge der Werke tendiert die Gegenwart, die zugleich szenisch immer stärker dekonstruiert, zu gesteigerter Nibelungentreue zum Original....
