Alte Meister, neue Klänge
Die Idee, bildende Künstler mit dem «Parsifal» in Verbindung zu bringen, ist so alt wie das Stück selbst. Richard Wagner wünschte sich Arnold Böcklin als Ausstatter der Uraufführung. Böcklin besuchte die Familie Wagner 1880 in Neapel. Eine Zusammenarbeit scheiterte letztlich daran, dass der Maler wenig von einer Verschmelzung der Künste hielt. Viel später hat Richard Peduzzi in seinem Bühnenbild für Patrice Chéreaus «Ring» die Böcklin’sche Vision der «Toteninsel» zum Walkürenfelsen umgeformt.
Dass Wagner der Malerei große Bedeutung zumaß, hat nicht nur mit der Hängerbühne seiner Zeit zu tun, sondern mit seiner Vorstellung von Kommunikation im Theater. Was da – idealisiert und damit verfremdet – auf der Bühne zu sehen sein sollte, hatte eine Sinnbild-Funktion: Der Zuschauer sollte jenseits aller kognitiven und hermeneutischen Aspekte gepackt werden. Man kann es auch so sagen: Gerade da, wo uns Wagners Theatervorstellung heute fremd vorkommt, hat sie durchaus moderne Aspekte. Es ist, auch wenn es oft behauptet wird, keineswegs so, dass Wagners Bühne erst durch Abstraktion und Lichträume zu sich selbst kam. Und so gehören zum «Parsifal» seit jeher auch Maler; herausragend etwa die ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Stephan Mösch
Aus der Bühnenschwärze heraus blinken tausende farbige Lichter. Eine Frau im Glitzeranzug tritt durch die zwei spitz zulaufenden LED-Wände. Sie bedient Computer; grüne Zahlenkolonnen hetzen über die Monitore. Sie ist die Herrin über die Algorithmen, über die Daten der Menschen.
Catrin Striebeck führt die Zuschauer dann als Sprecherin durch Strawinskys Kurzoper...
JUBILARE
Kathleen Battle stammt aus Portsmouth/Ohio und studierte am Cincinnati College-Conservatory of Music. Ihr Debüt als Solistin in Brahms’ «Requiem» 1972 beim Spoleto Festival unter der Leitung von Thomas Schippers markiert den Beginn ihrer Karriere. Drei Jahre später stand sie in Michigan erstmals auf einer Opernbühne (als Rosina in Rossinis «Barbiere di...
Traditionen haben etwas Gutes. Sie sichern und überliefern wertvolle Bestände, sie wirken stilbildend. Im Leben wie in der Kunst. Und eben auch in der Oper. Ohne Tradition, ohne den Blick zurück auf seine Anfänge, würde dieses Kraftwerk der Gefühle über kurz oder lang vermutlich stillstehen, zur musealen Einrichtung verstauben – zur Form ohne lebendigen Inhalt....
